11. Dezember 2017

Rezension: "Tochter der Flut" von Jake Halpern und Peter Kujawinski


Titel: Tochter der Flut
Autor: Jake Halpern & Peter Kujawinski
Verlag: Ravensburger
Preis: 15,00€
Seiten: 384

In einem schnuckeligen Buchladen blieb mein Blick an einem Buch hängen, das mich durch seinen Klappentext neugierig gemacht hat. Die Rede ist von „Tochter der Flut“ von Jake Halpern und Peter Kujawinski. Ich finde Bücher von mehreren Autoren immer sehr spannend und hier weckte das Thema mein Interesse. Denn die beiden Herren haben sich ein ungewöhnliches Szenario ausgedacht, das ein wenig mit den gängigen Ängsten der Menschen spielt: die Dunkelheit und alles, was in ihr passieren kann. „Tochter der Flut“ ist ein wahnsinnig ungewöhnliches Buch, das sich sehr gut lesen lässt und den Leser packt. Die Figuren sind bemerkenswert, an jeder Ecke lauern Geheimnisse und noch viel mehr Gefahren. Und das macht das gesamte Buch sehr, sehr spannend. Anfangs hatte ich meine Probleme, am Ende war ich aber begeistert. Und dennoch gibt es eine Sache, die ich kritisieren muss: Weder das Cover, noch der Titel passen zum Buch. Aber da kann die tolle Geschichte nun wirklich nichts für.

Wenn auf Marins Insel nach 14 Jahren Tag die endlose Nacht hereinbricht, muss ihr Volk fliehen. Denn die eisige Dunkelheit überlebt niemand. Doch Marin und ihr Freund Line verpassen die rettenden Boote. Und das nur, weil Line den Anhänger gesucht hat, den sie verloren hatte. Angeblich verloren. Und so wird ihr Schweigen zur Zerreißprobe ihrer Liebe. Und zum Beginn eines knallharten Überlebenskampfes …

Vom Cover von „Tochter der Flut“ schaut ein Mädchen den Leser mit entschlossenem Blick entgegen. Das Cover und der Titel machen neugierig und dann folgt der spannende Klappentext. Nach kurzem Überlegen gelangte ich zu dem Schluss, das Buch lesen zu wollen. Der Einstieg ins Buch fiel mir allerdings schwer. Auch, da ich tatsächlich etwas ganz anderes erwartet habe und meiner Meinung nach der Klappentext auch etwas anderes propagiert. Auf dem Buchrücken steht nur etwas von einem Mädchen, einem Jungen, deren Liebe und der furchteinflößenden Dunkelheit. Ich rechnete also mit einer Liebesgeschichte und zwei Protagonisten. Doch weit gefehlt. Tatsächlich gibt es drei Protagonisten und ehrlich gesagt finde ich es auch nicht in Ordnung, den dritten so vollkommen unerwähnt zu lassen. Des Weiteren geht es meiner Meinung nach nur sehr entfernt um eine Liebesgeschichte, was auch vollkommen in Ordnung ist. Denn die beiden Protagonisten Marin und Line, die als Liebespaar gemeint sind, sind erst 14 Jahre alt. Natürlich ist das alt genug, um sich zu verlieben, um von wahrer Liebe zu sprechen aber vielleicht doch etwas zu früh. Vor allem steht die Liebe nie im Vordergrund. Es gibt tiefe Gefühle und beide geben offen zu, ineinander verliebt zu sein, aber ansonsten führt dieser Erzählstrang ins Leere. Kein Kuss, keine Zärtlichkeiten. Wie gesagt, das fand ich vollkommen in Ordnung. Ich finde nur, dass der Klappentext daher vollkommen verfehlt ist! Denn eigentlich steht die dritte Person viel mehr im Vordergrund, als Marin oder Line. Es geht um Marins Zwillingsbruder Kana, der ein Geheimnis bewahren muss. Die drei bleiben gemeinsam auf der Insel zurück und schlagen sich durch. Sie arbeiten als Team, beginnen sich zu misstrauen und doch ist ihre Verbindung alles, was sie haben. Ich kam lang Zeit mit keinem der drei Protagonisten klar, obwohl sie mir alle sehr imponiert haben. Das lag aber daran, dass ich generell Probleme mit dem Anfang des Buchs hatte. Das Szenario muss erst einmal begriffen werden und dann kommen die Namen. Auch wenn das nebensächlich ist, hatte ich riesige Probleme mit den Namen. Marin = Mädchen, Line = Junge und Kana = Junge. In meinem Kopf wollte das nicht so recht zusammen passen (, vielleicht auch, weil eine gute Freundin von mir Line heißt und ich daher immer die Assoziation „Mädchen“ hatte). Bis zum Ende konnte ich das Problem nicht lösen, aber mit der Zeit wird das Buch tatsächlich so ungewöhnlich und spannend, dass ich das ausblenden konnte. Die drei Protagonisten sind trotz ihres Alters schon sehr abgeklärt und haben alle sehr interessante Geschichten.
Das Beste an dem Buch ist tatsächlich das Thema der Dunkelheit. Die Autoren haben sich eine der ältesten Ängste des Menschen zu Nutze gemacht und spielen mit ihr. Heutzutage ist es schwer vorstellbar, dass wenn der Tag sich dem Ende neigte, es vollkommen dunkel war. Viele Menschen verbinden mit Dunkelheit Angst und wenn ich so überlege, gehöre ich zu diesen Menschen dazu. Man hat sich einfach so sehr an elektrisches Licht gewöhnt, dass die Welt, mit der man in „Tochter der Flut“ konfrontiert wird, so vollkommen anders ist. Immer wieder musste ich darüber nachdenken, ob ich so mutig gewesen wäre wie Marin, Line oder Kana. Hätte ich mich im Wald auf einer Insel um Dunkeln zurecht gefunden? Hätte ich überlebt? Oder wäre ich direkt von dem Unbekannten getötet worden? Denn mit der Nacht geht natürlich auch das Unbekannte einher. Niemand weiß, was in der Nacht passiert, die 14 Jahre lang andauert. Und schon allein das macht das Buch spannend. Denn lange Zeit weiß der Leser es auch nicht – fest steht nur, dass was auch immer da ist, gefährlich ist. Und so entsteht eine Art Katz-und-Maus-Spiel gegen die Zeit. Die drei Jugendlichen wollen von der Insel runter, doch das ist kein leichtes Unterfangen und ihr Leben wird bedroht. Aber von was?
Die Figuren passen gut zur Geschichte und sind ebenso ungewöhnlich, wie diese. Der Plot ist spannend gestaltet und der Leser will vor allem am Ende wissen, wie es ausgehen wird. Man zittert mit den Protagonisten und hinzu kommt noch Kanas besondere Situation. Es ist ein spannender Mix aus Thrillerelementen, Jugendbuch aber auch Fantasy. Der rote Faden ist vorhanden und man kommt sehr schnell durchs Buch. Auch, weil die Kapitel relativ kurz gehalten werden. Die Erzählperspektive ist etwas distanziert und leider wechselt die Sichtweise andauernd. In einem Satz wird aus Marins Sicht erzählt und im nächsten plötzlich ins Lines. Das gefiel mir gar nicht. Generell ist der Stil aber gut und einfach. 
Das Buch unterhält wirklich großartig, nachdem man sich ein wenig eingelesen hat und vor allem packt es den Leser. Mich hat es aufgrund seiner Thematik gefesselt, die ja eigentlich so simpel ist, doch mit einer Urangst zu spielen, hat es in sich. Außerdem gefiel mir die Auflösung und die Logik der Geschichte. Was ich aber einfach nicht verstehen kann, sind zwei Punkte. Den fehlleitenden Klappentext sprach ich bereits an. Aber auch das Cover und der Titel passen absolut null zur Geschichte! Im Original heißt die Geschichte „Night Fall“ und hat ein Cover, das drei Silhouetten in einem dunklen Wald zeigt. DAS passt zur Geschichte. Aber nicht das Wort „Flut“, oder das verschnörkelte Gesicht. Klar, das Gesicht soll Marin und ihre Entschlossenheit darstellen. Auch die Schnörkel machen Sinn, aber ehrlich gesagt finde ich beides unglaublich schlecht gewählt. Und trotzdem kann die Geschichte nichts für diese Formalia, weswegen ich sie nicht in die Bewertung einbeziehen.


Nehme ich also die Geschichte, den Stil und das Thema zusammen, bleibt ein tolles Buch übrig. Es braucht zwar ein wenig Zeit, um sich aufzubauen und die Geschichte beginnen zu lassen, doch ist dies geschehen, wird es spannend. Die Dunkelheit bietet einfach so viele verschiedene Facetten, dass die Geschichte funktionieren muss. Da ich Anfangsprobleme hatte, kann ich nicht die volle Punktzahl vergeben. Doch ich bin mir sehr sicher, dass ich „Tochter der Flut“ so schnell nicht vergessen werde, denn die Geschichte ist außer- und ungewöhnlich. Und deswegen vergebe ich 4,5 Spitzenschuhe.



6. Dezember 2017

Mein Nikolaustipp - Neuerscheinung: "Rebellious Hearts" von Sarah Nisse

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Hallo ihr Lieben!


Ich wünsche euch einen schönen Nikolaustag! 

Vielleicht treibt es den ein oder anderen ja heute Abend ja noch nach draußen zum Nikolaus-Laufen. Wobei ich gar nicht weiß, ob das eine deutschlandweite Tradition ist. Ist es? Aber ist auch nicht so wichtig ;) Viel wichtiger ist nämlich, dass wir alle den heutigen Tag ein wenig genießen können. Und für diesen Fall habe ich genau das Richtige.


Denn heute ist der neue Roman von der bezaubernden Sarah Nisse erschienen. Er heißt "Rebellious Hearts - Lovestory für dich" und spielt im wunderschönen Paris. Sarah Nisse hat eine Schwäche für die französische Metropole, doch für ihr Buch, das eigentlich "BrotherHood" heißen sollte, gibt es wirklich keinen besseren Handlungsort. Ein weiterer und jahreszeittechnisch passender Pluspunkt: Das Buch spielt im weihnachtlichen Paris!


Wenn ich euch jetzt nicht mit dem Argument der schönen Kulisse kommen konnte, überzeugt euch vielleicht der Klappentext. Denn es geht nicht nur um Rebellion oder eine Liebesgeschichte. Nein, es kommt viel besser! Es geht um Gefahr, um Thrill, um Spannung. Denn "Rebellious Hearts" ist ein Jugendthriller. 

Und darum geht's:


***Du wurdest auserwählt, an der interaktiven Spiele-App FlameHeart teilzunehmen. Drücke jetzt auf „Play" und du wirst dich fragen, wie du jemals ohne diesen Kick hast leben können!***
Manon weiß nicht, woher die mysteriöse App kommt, die sich wie von selbst auf ihrem Handy installiert hat. Aber sie kommt gerade recht, denn Manon würde fast alles tun, um ihrem sorglosen, aber unendlich tristen Leben als Tochter eines reichen, einflussreichen Politikers zu entkommen. Obwohl sie jeder darum beneidet, ödet Manon einfach alles an, dort auf der elitären Ile de Saint Louis, mitten im Herzen von Paris. BrotherHood schafft Abhilfe, schon bald findet sie sich in einem Rausch aus Spiel, Abenteuer und Rache wieder. Bis aus Spiel ernst wird und es erste Verletzte gibt. Und was hat David, ihr geheimnisvoller Nachhilfelehrer, der wie aus dem Nichts in ihr Leben getreten ist, mit der ganzen Sache zu tun? Manon muss sich fragen, wem sie noch vertrauen kann. Und wie weit sie bereit ist zu gehen.

Klingt doch spannend, oder? Ich lese das Buch derzeit. Ich bin zwar erst ungefähr bei der Hälfte, aber ich bin absolute begeistert! Sarah Nisse hat ein tolles Gespür für ihre Figuren und in diesem Roman kommt auch ein gewisser politischer Aspekt durch, der mir wirklich gut gefällt und das Leben ein bisschen mehr so darstellt, wie es tatsächlich ist. Mich begeistert derzeit alles an diesem Buch und ich kann euch versprechen, dass "Rebellious Hearts" eine mehr als spannende Angelegenheit ist! Schaut doch mal beim Verlag vorbei und werft auch einen Blick in die "Mysterious Metropolitan-Reihe", denn zu dieser gehört "Rebellious Hearts".

So viel zu meinem Nikolaustipp! Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Buch :)


Liebst,
eure Julia

4. Dezember 2017

Meine Neuzugänge: November


Hey ihr Lieben!

Bei mir ist im Moment wirklich die Hölle los, deswegen habe ich nur wenig Zeit, mich hier zu melden. Das hat mit dem Schulleben zu tun, an das ich mich jetzt so langsam gewöhnen muss. Aber genug davon. Natürlich wartet auch noch eine Rezension auf mich, doch zuerst einmal kommt der heutige Neuzugänge-Post :)

Obwohl ich wirklich (mal wieder) dachte, dass sich im November nicht viel angesammelt haben konnte, habe ich mich wieder einmal bitter getäuscht. Aber seht selbst, das sind meine Schätze aus dem November :)




Insgesamt durften 8 neue Bücher bei mir einziehen, drei davon aber Hörbücher. Ich persönlich finde ja nicht, dass das so richtig zählt ;)
Im Moment höre ich "Star Wars Episode 7" und es gefällt mir ganz gut! Nächste Woche wird dann "Konklave" angefangen. Ich werde mit meinem Freund nach München fahren, da sollte genügend Zeit sein. Ich bin schon sehr gespannt :) Mein letztes neues Hörbuch sind die Geschichten von Rapunzel und Arielle. Davon konnte ich meinen freund nicht überzeugen, aber ich werde mir das Hörbuch sehr bald zu Gemüte führen.


Unter meinen Neuzugängen befinden sich auch zwei Vertreter aus der Kategorie der Ebooks. Eingezogen und bereits gelesen ist "Vampires of Eden", der vierte Teil der "Melody of Eden"-Reihe, der aber ein Spinn Off ist. Ich kann ihn jedenfalls vollkommen empfehlen! Das zweite Ebook habe ich erst heute begonnen, aber es ist von der zauberhaften Sarah Nisse und ich bin mir ganz sicher, dass ich es lieben werde! "Rebellious Hearts" spielt in Paris und hat einen Wahnsinnsklappentext! Mit Klick landet ihr gleich bei ihm!
Besonders gefreut habe ich mich über drei Geschenke, die ebenfalls auf dem Bild zu sehen sind. Ein sehr spätes Geburtstagsgeschenk erreichte mich von einer lieben Freundin und ich habe mich riesig über "Die rote Pyramide" von Rick Riordan gefreut :) Ich liebe seine Bücher und diese Reihe mit ägyptischen Göttern kann ich mit daher nicht entgehen lassen!
"Fangirl" ist ein Blogtourgewinn, der eine ganze Weile gebraucht hat, um bei mir zu landen. Aber dank der lieben Jessi hat er den Weg noch gefunden und es erfreut mich sehr, dass ich dieses Buch nun auch auf Deutsch besitze. Ob es auf Deutsch auch so gut sein wird, wie auf Englisch? Ich bin gespannt. Das dritte Geschenk ist ein Buch aus meinem Wichtelpaket. Meine Bloggermädels und ich haben ein wenig gewichtelt und ich wurde von der lieben Ricarda beschenkt. Unter anderem war "Berühre mich. Nicht" Teil des Pakets und das finde ich einfach wunderbar :)
Ein Buch bleibt noch und das ist auch das einzige, das ich mir selbst gekauft habe. "Tochter der Flut" klingt super interessant und ich habe es gestern ausgelesen. Es war sehr ungewöhnlich, aber irgendwie gut! Leider passt weder das Cover, noch der Titel zur Geschichte, aber das tut der tollen Geschichte keinen Abklang.


Das sind sie, meine Neuzugänge aus dem November. Was sagt ihr? Was gab es bei euch Neues? Kennt ihr eines der Bücher? habt ihr vielleicht auch schon gewichtelt?


Liebst,
eure Julia

3. Dezember 2017

Rezension: "Vampires of Eden - Bluterwachen" von Sabine Schulter


Titel: Vampires of Eden
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 4,99€
Seiten: 320


Wenn man die Buchreihe „Melody of Eden“ gelesen hat, hat man sie ziemlich wahrscheinlich verschlungen. Sabine Schulter hat mit Eden und Melody zwei besondere Charaktere erschaffen und mit ihnen zusammen noch eine Reihe ungewöhnlicher Vampire. Ungewöhnlich im positiven Sinn, denn Scott, Rich, Scarlett oder Ivy kann man sich einfach nicht entziehen. Schulters Romane haben immer etwas Familiäres und wenn man sie beendet, trauert man oft einer neu gewonnen Familie nach. Endlich kann dieses Gefühl aber überwunden werden. Denn zur „Melody of Eden“-Reihe ist ein Spinn-Off erschienen, der jedes Fanherz höher schlagen lässt. Im Grunde hat man es mit einem Kurzgeschichtenband zu tun, in dem endlich die Vorgeschichten der bekannten Vampire zu finden sind. Für Liebhaber der Reihe ist es ein absolutes Muss, denn so kann man noch ein letztes Mal in die Welt von Eden und Melody eintauchen, kann ihre Liebe genießen und nebenbei noch einen viel tieferen Einblick in die verschiedenen Figuren gewinnen. Kennt man die Reihe nicht, hat man wahrscheinlich nicht das nötige Verständnis und dementsprechend weniger Spaß. Kennt man aber die Geschichte, wird man dieses Buch lieben! Es ist keinesfalls das beste der Reihe, aber das soll es auch gar nicht sein. Es ist einfach ein toller Zusatz, der mich mehr als einmal lächelnd zurück ließ.

Nach den dramatischen Ereignissen der letzten Monate kehrt ein wenig Ruhe auf den Polizeirevieren ein. Die perfekte Zeit also, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Denn wie sind die Rudelmitglieder um Melody und Eden überhaupt zu Vampiren geworden? Während Unruhestifter und Frauenversteher Rich vor seiner Verwandlung mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hatte und Karis und Toja ihre Arbeit als Undercover-Agenten genossen, sah Ivys Leben in Paris weniger rosig aus. Und auch die anderen Vampire haben ihre ganz persönliche Lebensgeschichte zu erzählen…

„Vampires of Eden“ gibt dem Leser sofort ein Gefühl von Nach-Hause-Kommen, wenn man die erste Seite aufschlägt. Denn es sind Melody und Eden, die ihn begrüßen, die endlich einen normalen Alltag zu finden scheinen und in dessen Beziehung man sofort wieder einen Einblick bekommt. Das Paar ist zu Besuch bei Edens Schwester und während die Verwandten sich schlafen legen, beginnt für Melody und Eden die Nacht. Die beiden haben endlich Zeit für sich und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Denn die neugierige Mel fragt Eden nun nach den Geschichten ihrer Rudelmitglieder – ihrer Freunde. Und der sonst so zurückhaltende Eden ist bereit sie zu erzählen. Ein Glück für uns!
Das Buch beinhaltet sechs Kurzgeschichten über sieben der beliebten Vampire. Man kennt Melodys und Eden Geschichte, doch nicht die ihrer „Familie“. Die Geschichten sind bis zu einem gewissen Zeitpunkt unabhängig voneinander und dennoch fehlt dem Leser niemals der Kontext. Jede Geschichte wird von einem sogenannten „Zwischenspiel“ eingeleitet, in dem Eden und Melody über die zuvor besprochene Geschichte reden und die nächste einleiten. Diese Zwischenspiele sind sehr liebevoll und mir haben sie wirklich gut gefallen. Sie sind sehr kurz, aber schaffen sofort die richtige Atmosphäre für das Kommende.
Was mir außerordentlich gut gefallen hat, ist die Reihenfolge der Geschichte. Was die vier Einheitsmitglieder betrifft, wird chronologisch erzählt. Natürlich handelt es sich also um die Geschichten von Scott, Scarlet, Rich und Ivy. Aber welche beiden Geschichten folgen noch? Es sind diejenigen von Kardia und die der Zwillige Toja und Karis. Mit den beiden letzten Geschichten hatte ich kaum gerechnet und gerade deswegen haben sie mich umso mehr überrascht. Denn diese beiden sind etwas weniger dramatisch, in gewisser Weise positiver und einfach absolut gut! Aber welche der sechs Geschichten meine liebste ist, kann ich nicht sagen! Ich schwanke zwischen der von Kardia – die frühere englische, extravagante Lady, die jegliche Konventionen für Liebe über den Haufen werfen würde – und der von Scott – dem familienliebenden Riesen, der stets mit seinem einfachen Leben zufrieden war. Aber auch die Geschichte von Scarlet hat mich beeindruckt und nachdem ich wusste, dass sie einmal eine unabhängige Frau mit einer Leidenschaft war, konnte ich diesen Charakter viel besser verstehen. Rich und Ivy hingegen haben sehr traurige Geschichten. Rich, der verwundet aus dem zweiten Weltkrieg zurückkehrte, muss erst einmal sein Leben ordnen, doch das bleibt ihm verweht. Besonders interessant an dieser Geschichte ist aber, dass zum ersten Mal ein Vampir, der zuvor bereits auftrat, auftaucht. Der Leser erkennt das natürlich sofort und trotzdem ist es mehr als interessant, die erste Begegnung der Blutgefährten Rich und Scarlet zu lesen! 
Ähnlich verhält es sich in der Geschichte von der kleinen Ivy. Schon als Mensch war dieses zuckersüße Mädchen etwas Besonderes. Ich finde, dass die Autorin hier genau den richtigen Ton gefunden hat, um Ivys Charakter zu verdeutlichen. Die Kleine tat mir am Ende so unglaublich leid, doch auch hier taucht das Rudel auf. Immer wenn Mitglieder des Rudels als Nebenfiguren agieren, fand ich das Szenario sehr beeindruckend. So entsteht ein interessanter Rollenwechsel, der dank der Kenntnis dieser Figuren aber toll verstanden wird.
Die Geschichten von Scott und Kardia haben mich, wie gesagt, sehr beeindruckt. Scotts Geschichte macht den Anfang und es ist ein toller Einstieg ins Buch. Kardias Geschichte hingegen ist die vorletzte und dennoch ist sie einfach anders, da ihre Verwandlung andere Hintergründe hat. Auch hier, Chapeau. Denn mit dieser Geschichte kann der gleiche Erzählrhythmus gebrochen werden. Denn logischerweise erzählt jede Geschichte davon, wie Menschen zu Vampiren wurden. Dementsprechend taucht irgendwann immer ein Wilder auf, die Menschen wissen nicht, womit sie es zu tun haben und dank irgendwelcher unterschiedlicher Umstände werden sie gebissen und verwandeln sich. Das ist im Grunde das Konzept der Geschichten. ABER: Jede Geschichte ist anders erzählt, immer geschieht die Verwandlung aus anderen Gründen, anderen Motiven und anderen Atmosphären. Und so muss ich sagen, dass trotz gleicher Grundstrukturen immer Abwechslung vorliegt. Dies ist bei Kardias Geschichte ganz besonders deutlich und das fand ich wahnsinnig toll! Denn mit dem neuen Lebensabschnitt geht hier in gewisser Weise auch eine Liebesgeschichte einher. Hach. 
Und dann darf man die Geschichte der Zwillinge nicht vergessen. Diese ist ebenfalls etwas ganz Besonderes, denn es geht um Geschwisterliebe. Mehr möchte ich gar nicht dazu sagen, doch Sabine Schulter schafft es wieder absolut die Emotionen herüberzubringen. Und das im gesamten Buch.
Emotionen, Spannung, Familienzusammenhalt, Liebe, Action….es gibt so viel, was ich an diesem Buch loben muss. Außerdem lässt es sich durch den Kurzgeschichtencharakter toll lesen und man kann immer wieder in eine neue Welt und ein anderes Zeitalter eintauchen. Man reist nach Kanada im 17. Jahrhundert, nach Paris in den 1970ern, aber auch nach Rumänien und Amerika und nicht zu vergessen nach London und Norwegen. Das Buch ist eine einzige gelungene Reise! Der Stil der Autorin ist wie immer warmherzig, flüssig, bildreich und absolut flüssig.



Ich kann wirklich nichts anderes tun, als dieses Spinn-Off jedem Leser der „Melody of Eden“-Reihe ans Herz zu legen. Man lernt so viel Neues über die bekannten Vampire, man bekommt tiefe Einblicke in die Charakterbildung von Scarlet und Co. und man wird erneut Teil dieser einzigartigen Familie. Jede Geschichte hat ihre Highlights und ihre Abgründe. Denn es geht immer um eine nicht umkehrbare Veränderung, die mehr als einschneidend ist. In diesem Sinne ist übrigens auch das Vorwort ganz besonders schön. 
Taucht ab in die sechs neuen Geschichte rund um die Mitglieder der Nachtpolizei, entdeckt neue Details in der Geschichte und entwickelt neue Gefühle und neues Verständnis für die Figuren. Habt ihr „Melody of Eden“ geliebt, werdet ihr auch dieses Spinn-Off lieben – wie ich. Ich vergebe 5 Spitzenschuhe und bin absolut glücklich über den Umstand diese sechs Geschichte zu kennen. Nur leider muss ich diese Familie erneut zurücklassen..



1. Dezember 2017

Rezension: "Persuasion" von Jane Austen

 

Titel: Persuasion
Autor: Jane Austen
Verlag: Penguin
Preis: ca. 5 €
Seiten: 304


Vor einer Weile entdeckte ich eine entzückende Gesamtausgabe der Werke von Jane Austen. All ihre Bücher in einem zauberhaften Umschlag, zu einem günstigen Preis– perfekt. Der einzige Nachteil? Die Gesamtausgabe ist natürlich auf Englisch. Ob man das als Nachteil auffassen will, ist vom Betrachter abhängig. Es ist immer gut, im Original zu lesen! Aber natürlich erschwert sich das Lesen gerade bei Klassikern dadurch. Dennoch musste ich diese Ausgabe haben und ich bin wahnsinnig stolz, das erste der sieben Bücher gelesen zu haben! Das Schriftbild ist zwar die reinste Katastrophe, aber das schadet keinesfalls den wunderbaren Werken von Jane Austen.
„Persuasion“ ist das Buch, das ich mir zu Gemüte führte. Es ist der letzte richtige Austen-Roman und er wurde erst postum veröffentlicht. Ich muss sagen, dass es wahrlich nicht ihr bestes Werk ist, aber dennoch ist es eine schöne Geschichte, die mit seiner Atmosphäre zu bestechen weiß.


Anne Elliot verliebt sich in den schönen aber armen Offizier Frederick Wentworth, doch auf Drängen ihrer Eltern heiratet sie ihn nicht. Sieben Jahre später trifft Anne ihn wieder, Frederick ist mittlerweile erfolgreich und wohlhabend geworden. Anne liebt Frederick noch immer, doch er hat ihr nicht vergeben – und scheint in eine andere Frau verliebt zu sein...

Leider ließ sich weit und breit kein englischer Klappentext finden, daher muss es der deutsche tun.
„Persuasion“ hat eine schöne, niedliche und unschuldige Handlung. Anne Elliot ist ein wahnsinnig toller Charakter, der sich selbst immer zurücknimmt. Natürlich ist das nicht richtig, doch die kluge und bescheidene junge Frau stellt nie hohe Ansprüche. Sie ist liebenswert und schleicht sich so schnell in das Herz des Lesers. Anne trägt ganz eindeutig die Handlung und das ist auch in Ordnung so. Niemals würde sie es wagen, ihren Willen über den von jemand anderes zu stellen. Und deswegen bleibt sie oft, obwohl sie die Protagonistin ist, im Hintergrund.
Das Geschehen des Buches ist sehr schnell erzählt und hier hat man es auch nicht mit allzu komplizierten Umständen zu tun, für die Austen ja eigentlich bekannt ist. Ja, es gibt zwei Liebende und bevor sie zusammen kommen können, gibt es Hindernisse zu bewältigen. Die Familie beider spielt meistens eine Rolle und wenn nicht die Familie, dann die Freunde und natürlich die Gesellschaft. Überhaupt – die Gesellschaft. Bei Austen spielt diese immer die größte Rolle. Auch weil die Autorin selbst sich oft über die Konventionen wunderte. Und deswegen schwingt immer eine etwas kritische Stimme in ihren Werken mit. So natürlich auch hier. Kritisiert wird vor allem Annes Familie mit Schwerpunkt auf ihrem Vater und ihrer älteren Schwester. Verschwenderischer Reichtum und Arroganz sind Themen, die hier zur Sprache kommen. Beides steht im krassen Gegensatz zum Charakter von Anne Elliot. Insgesamt würde ich sagen, gibt es eine große Charaktervielfalt in diesem Buch. Mir haben viele Charaktere sehr gut gefallen. Anfangs wusste ich nicht, was ich von Captain Wentworth halten sollte, doch vor allem am Ende mauserte er sich zu einem meiner Lieblingscharaktere. Das Buch ist natürlich voll von Figuren und allesamt erfüllen sie ihre Aufgabe. Besonders gefallen hat mit Annes jüngere Schwester Mary und ihr Mann Charles. Mary ist zwar ein verhätscheltes Wesen, doch Charles ist eine gute Seele. Die Charaktere sind allesamt gelungen und passen toll in die Geschichte.
Apropos Geschichte, wie gesagt, sie ist einfach gestrickt. Im Grunde geht es nur darum, dass Anne vor acht Jahren mit Captain Wentworth verlobt war. Sie löste das Löbnis auf Anraten ihrer Freundin Lady Russell. Die beiden sehen sich die nächsten acht Jahre nicht und dann begegnen sie sich erneut. Natürlich kommen Annes Gefühle wieder hoch, doch Frederick ist nicht zu durchschauen, er scheint sogar bald eine andere Frau heiraten zu wollen.
So einfach ist die Handlung erzählt. Und es wird auch nicht viel komplizierter. Im Grunde ist das Buch auch nicht lang. Meine Ausgabe allerdings ist nicht sonderlich angenehm und das Englisch ist nicht ganz leicht, weswegen ich trotzdem eine Weile für das Buch gebraucht habe. Ich bin mir sicher, dass wenn man im Englischen geübter ist als ich, kann man „Persuasion“ richtig genießen. Ich hatte mit einigen Vokabeln Probleme und da die Seiten so unglaublich eng bedruckt und dünn sind, habe ich pro Seite manchmal mehr als drei Minuten gebraucht…so sehr ich meine Penguin Gesamtausgabe also auch liebe, zum praktischen Lesen eignet sie sich nicht unbedingt.
Den Stil empfand ich als relativ schwer. Auf Deutsch kann ich mir aber vorstellen, dass man wieder vollkommen in Jane Austens Welt verschwindet. Schön ist das Englisch auch und es lässt sich sehr gut lesen – ich habe nur einfach nicht jedes Wort verstanden.



Es war eine sehr interessante Erfahrung, mein erstes Austen-Buch auf Englisch zu lesen. Es hat Spaß gemacht und die Autorin konnte mich sofort wieder in ihre Kulisse ziehen. Mir hat Anne Elliot als Charakter sehr gut gefallen. Außerdem harmonieren die Protagonisten und all die Nebenfiguren sehr gut. Besonders das Ende des Buches ist wunderschön und romantisch. „Persuasion“ ist sicher nicht der stärkste Jane Austen-Roman, denn manchmal ist er handlunsgtechnisch eher schwach, doch dennoch lohnt sich das Lesen. Ich mochte das Buch jedenfalls sehr und vergebe 4 Spitzenschuhe. 



29. November 2017

Rezension: "Saxnot stirbt nie" von Robert Gordian


Titel: Saxnot stirbt nie
Autor: Robert Gordian
Verlag: dotbooks
Preis: 5,99€
Seiten: 220

Es gibt Bücher, denen sieht man auf den ersten Blick an, dass man sie niemals lesen wird. Aber vielleicht ist das der völlig falsche Weg. Denn manchmal findet doch ein Buch zu uns, dass wir uns niemals angeschafft hätten. Wir lesen es, meist aus Liebe zum Schenker. Und dann…dann kann es passieren, dass wir das Buch plötzlich gut finden. Dass wir merken, dass wir vorher einen falschen Eindruck hatten und dass das Buch es wert ist, gelesen zu werden.
So erging es mir bei zwei Büchern von Robert Gordian. Dieser Herr hat eine Reihe verfasst, die im Mittelalter spielt und sich mit zwei Ermittlern, oder auch Kommissaren, von Karl dem Großen befasst. Odo der Adelige und Lupus der Mönch ermitteln in düsteren Zeiten und erleben eine Reihe Abenteuer. Meine Oma gab mir die ersten beiden Teile dieser Reihe und meinte, ich solle sie doch lesen – es wäre amüsant. Ihr zuliebe griff ich zum ersten Teil und war tatsächlich positiv überrascht. Nun habe ich mich dem zweiten Band „Saxnot stirbt nie“ gewidmet und dieses Buch hat mich tatsächlich gut unterhalten! Obwohl das Cover irgendwie schmuddelig wirkt, kann ich dieses Buch für Fans historische Romane wirklich empfehlen!


Sachsen im späten 8. Jahrhundert. Auf der Suche nach einem verschwundenen Missionar müssen Odo und Lupus in jenes gefährliche Land reisen, das erst vor kurzem von ihrem Dienstherrn erobert wurde, dem Frankenkönig Karl. Zunächst bekommen es die beiden wackeren Männer in einer Herberge mit einer Gruppe von Gauklern zu tun, bei denen es sich möglicherweise um Diebe handelt – doch schon bald fordern zwei dreiste Morde ihren Spürsinn heraus. Odo und Lupus ahnen noch nicht, dass sie es mit einem besonders gefährlichen Schurken zu tun haben – einem, der von hohem Ansehen ist und skrupellos jede Situation zu seinen Gunsten wendet …

Die Geschichten um Odo und Lupus sind wirklich sehr kurzweilig, aber unterhaltsam. Im ersten Teil gab es noch einige Längen, die vor allem daraus resultierten, dass Lupus christliche Zwiespälte darlegen musste. Und natürlich musste in die Verhältnisse eingeführt werden. Bei „Saxnot stirbt nie“ ist das nicht mehr nötig. Man kennt die Protagonisten samt all ihrer Laster, man weiß um ihre Aufgaben und so schließt dieser Band wunderbar an Teil eins an. Man kann ihn aber sicher auch unabhängig von „Demetrias Rache“ lesen. 
Odo und Lupus befinden sich nun auf dem Weg nach Sachsen und reisen durch mir bekannte Gebiete. Der Charme dieses Buches liegt auf jeden Fall in seinem historischen Setting. Ich bin zwar Geschichtslehrerin, aber keinesfalls Fan des Mittelalters. Und dennoch hat mir die Atmosphäre sehr gut gefallen. Man bekommt einen Eindruck vom 8. Jahrhundert, den Verhältnissen und Gebräuchen. Natürlich sind die Zeiten keinesfalls vergleichbar und gerade das macht die Sache ja so spannend. Alles ist so vollkommen anders und die Menschen benehmen sich noch anders – vor allem in Sachsen. Denn dort herrschen ganz andere (keine) Gesetzmäßigkeiten. Und deshalb sollen Odo und Lupus für Recht und Ordnung sorgen. Doch das geschieht nicht, ohne dass sie selbst zum Ziel von Intrigen werden. 
Insgesamt ist der Aufbau des Buches wirklich gelungen und stringent. Es handelt sich nur um ca. 220 Seiten und diese vergehen sehr schnell. Denn der Fall, den die beiden behandeln, ist spannend! Es geht um eine Missionarsgruppe, deren Verschwinden untersucht wird. Hinzu kommt ein weiterer Mord und schnell wird klar, dass vieles in dieser Ortschaft im Argen liegt. Odo und Lupus kommen dem Bösewicht nur langsam auf die Spur, aber das machen sie sehr geschickt und vor allem mit sympathischer Art. Oft muss der Leser schmunzeln. Manchmal ist es auch so spannend, dass man das Buch gar nicht weglegen will. Die Handlung hat einen roten Faden und trotzdem gibt es genügen falsche Spuren, so dass der Leser mitraten kann. Das Ende kam etwas unmittelbar, aber es passt super zum Roman und zum ganzen Aufbau.
Der Erzähler ist der Mönch Lupus und er ist eine drollige Figur. Ich mag beide Ermittler sehr gern, auch wenn man sie natürlich nicht mit Sherlock Holmes und Watson vergleichen sollte. Doch sie haben eine charmante Art. Lupus ist der bescheidene Gottesfürchtige, Odo der etwas derbe, abgehobene, aber liebenswerte Adelige, der zumeist nicht das bekommt, was er will. Doch beide sind sehr viel schlauer, als es den Eindruck macht. Und so können sie auch den Fall lösen.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls interessant und es gibt zahlreiche Individuen, die einen weiteren Blick wert sind. 
Der Stil des Romans ist genauso, wie man es in einem historischen Roman, der von einem geistlichen erzählt wird, erwartet. Dennoch liest es sich flüssig und durch mehrere Dialoge kommt man gut durchs Buch.



Mir hat „Saxnot stirbt nie“ wirklich gut gefallen, viel besser sogar als sein Vorgänger. So langsam finde ich Gefallen an Odo und Lupus. Die beiden sind sympathisch und humorvoll. Dieser Fall ist spannend, beinhaltet Intrigen und Fehlleitungen. Eine wirklich runde Sache, der ich gern 4 Spitzenschuhe gebe. Wer weiß, vielleicht greife ich ja sogar noch zu weiteren Teilen der Reihe. Man kann ja nie wissen.


26. November 2017

Rezension: "Chaoskuss" von Teresa Sporrer


Titel: Chaoskuss
Autor: Teresa Sporrer
Verlag: Impress
Preis: 3,99€/ 12,99€
Seiten: 312


Vor einiger Zeit hatte ich einen „Rockstar“-Roman von Teresa Sporrer gelesen und die Autorin für mich entdeckt. Als ich dann erfuhr, dass sie eine Reihe mit Bezug zur ägyptischen Mythologie schreibt, wusste ich, dass ich diese lesen muss! Ich liebe das alte Ägypten, war selbst zwei Mal dort, habe mir Tempel und Museen angeschaut und würde nur zu gern noch einmal das Land der Pharaonen bereisen. Mit „Chaoskuss“ wollte ich meine Leidenschaft ein wenig kompensieren und in alte Geschichte abtauchen. Anfangs gelang das noch nicht so gut, doch „Chaoskuss“ startet langsam und wird danach gewaltig! Sporrer hat für mich eine tolle Idee mit ganz vielen Komponenten gepaart, die meiner Meinung nach nie zusammen passen würden und heraus kam eine wahnsinnig gute Geschichte. Hexerei, Geister, Übernatürliche, Götter und das ganz normale Leben: „Chaoskuss“ ist ein toller Reihenauftakt, der mit mehr aufwarten kann, als nur einer tollen Jugendbuchliebe. Absolut gelungen!

Das Leben der 17-jährigen May wäre so viel einfacher, wenn sie sich nur mit den typischen Teenie-Problemen herumschlagen müsste. Doch May ist nicht wie die anderen – sie ist eine Hexe. Und trotzdem muss sie an ihrer Schule das normale Mädchen spielen. Immerhin ist sie nicht das einzige übernatürliche Wesen dort, weshalb es neben dem alltäglichen Highschoolwahnsinn auch Stress mit nervigen Vampiren, streitlustigen Walküren oder unzufriedenen Dämonen gibt. Aber dann lädt Noah – ein Mensch! – sie auf eine Halloweenparty ein und plötzlich scheint doch ein bisschen Normalität in Mays Leben einzukehren. Aber nicht für lange…

Auch wenn der Klappentext nicht von ägyptischer Mythologie spricht, ist es kein Geheimnis, dass die Handlung einiges damit zu tun hat. Daher braucht ihr keine Angst vor Spoilern zu haben.
Ich wollte „Chaoskuss“ schon vor einiger Zeit lesen, kam aber nicht dazu. Bereuen tue ich es nicht, denn inzwischen sind alle Teile der Reihe herausgekommen, so dass ich sie ganz bald durchsuchten kann und das ist ein wahrer Vorteil! Denn die Geschichte hat mich total gepackt.
Das hat vielerlei Gründe. Zum einen liegt das an der super sympathischen Protagonistin May. Sie ist absolut humorvoll und charmant! Ihr Humor ist ein bisschen schwarz, ein bisschen sarkastisch und durch diesen düsteren Einschlag so herzerwärmend! May macht für den Leser nie ein Geheimnis daraus, dass sie eine Hexe ist. Eine begabte, aber eine ohne völlig ausgereifte Kräfte. In Mays Welt müssen Hexen Verantwortung für all die Übernatürlichen in ihrer Umgebung übernehmen. Und auf Mays Highschool gibt es mehr Übernatürliche, als man meinen kann. Dadurch hat May eine gewisse Verantwortung, obwohl sie von ihren eigenen Fähigkeiten nicht vollkommen überzeugt ist. Das Konstrukt wird am Anfang gut erklärt, der Leser braucht aber vielleicht ein bisschen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Denn Teresa Sporrer schickt wirklich einiges in den Ring. Da sind eben nicht nur die Hexen, sondern auch die Dämonen, Vampire, Gestaltwandler, Walküren oder Banshees. All diese Geschöpfe haben schon viele Fantasy- oder Jugenbücher gefüllt und es gleich mit allen aufzunehmen, ist schon gewaltig. Aber der Mut der Autorin wird belohnt! Vielleicht meint man anfangs, dass all das gemeinsam nicht gut gehen kann, das Gegenteil ist aber der Fall. Die Chemie stimmt und das Gesamtkonstrukt ist umwerfend! Auch immer noch, als zwei weitere Wesen Einzug in die Handlung finden. Nämlich ein Gott und ein Geist. Ich weiß nicht, wie Teresa Sporrer es geschafft hat, dass all das harmoniert, aber das tut es! Und daraus entsteht eine tolle Geschichte.
Eigentlich ist May ein sehr, sehr starker Charakter, der aber auch seine Schwächen hat. Ich fand sie super authentisch. Ein Charakter, mit dem man leiden und lieben kann! Und beides habe ich getan. Neben der jungen Hexe stehen noch viele andere Figuren im Mittelpunkt. Mays Umfeld wird von ihrer Familie bestimmt, also ihrer Mutter, ihrer Großmutter und ihrer Tante – allesamt Hexen. Alle drei Charaktere haben Tiefgang und tolle Eigenschaften. Sie sind liebevoll ausgearbeitet und fügen sich toll in die Handlung! Auch mochte ich Mays beste Freundin und ebenfalls Hexe Viv sehr gern. Sie ist so eine Mischung aus talentierter Hexe und Teenie-Kreisch-Girl, was eine sehr sympathische Figur ergibt. Außerdem natürlich der gute Gott, den ich ein paar Mal erwähnt habe. Das Chaos, das auch im Titel vorkommt, hat natürlich etwas Negatives. Und gerade das macht die Handlung aus. Denn oft wird erwähnt, dass es nicht nur „gut“ und „böse“ gibt und das wird an eben diesem Gott sehr deutlich. Ich fand ihn ehrlich gesagt sehr cool. Und grausam. Und lustig. Und niedlich. Und schrecklich. Also, er hat ziemlich viele Seiten, viele Facetten und manchmal weiß man nicht, mit welcher Seite man es gerade zu tun hat. Aber definitiv bringt er Schwung in die Sache und verlagert die Handlung gekonnt. Der letzte wichtige Charakter ist Noah, ein echt blöder, cooler und liebenswerter Typ. In genau dieser Reihenfolge. Man schließt Noah nach und nach ins Herz, ebenso wie May auch. Die Geschichte zwischen den beiden ist wahnsinnig gut. Sie hat die richtigen Herzensmomente und ist dennoch zum Scheitern verurteilt. Ich fragte mich so oft, wie das wohl ausgehen soll. 
Und das führt mich zum Ende des Buches. Der Anfang der Geschichte baut sich nur langsam auf, bis es eben immer spannender wird und alles ans Licht kommt. Für mich hat das tatsächlich relativ lange gedauert. Das Ende ist dann sehr rasant und passend. Aber auch ungewöhnlich erzählt. Denn gerade wenn es spannend wird, bricht die Geschichte ab und wird anders weitererzählt. Das fand ich anfangs komisch, gefiel mir im Nachhinein aber ganz gut. Das Ende an sich macht auf jeden Fall Lust auf mehr, denn erst nach dem Lesen des ersten Teils hat man die Geschichte so richtig für sich entdeckt. Und jetzt darf es weitergehen.
Der Schreibstil von Sporrer ist wirklich klasse. Und sie hat ein tolles Gespür für ihre Figuren, was sie immer wieder unter Beweis stellt. Es gibt viele Dialoge im Buch, aber das hat mir sehr gut gefallen und dadurch wird die Geschichte locker. Insgesamt bewundere ich das Ideenreichtum der Autorin!



Für mich ist dieses Buch wirklich vielseitig. Es hat mehr als nur einen Fantasyaspekt, sehr interessante Figuren und viele Werte wie Familie oder Verantwortung spielen wichtige Rollen. Hinzu kommt das Chaos, aber auch eine zarte und zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte. Es hat einfach alles! Manchmal ist die Erzählstringenz nicht ganz gegeben, aber das ist zweitrangig. Die Themen sind toll, der Stil ist gut und auch wenn das Buch nur langsam Fahrt aufnimmt, ist es ab dem Mittelteil absolut hervorragend und ebenso ungewöhnlich. Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe und freue mich riesig auf ein weiteres Abenteuer mit May und all ihren Problemen. Wie sie die wohl bewältigen wird?!