29. April 2017

Rezension: "Dreizehn bei Tisch" von Agatha Christie


Titel: Dreizehn bei Tisch
Autor: Agatha Christie
Verlag: Fischer
Preis: 8,95€
Seiten: 285

Es gibt nicht viele von ihnen: Die klassischen Detektive. Sherlock Holmes und Hercule Poirot sind für mich die Paradebeispiele dieser Sparte. Wenn man eine originale Geschichte über diese beiden Helden liest, kann man sicher sein, dass man eine gute Geschichte geliefert bekommt. Ich strebe es an, eines Tages alle Geschichten dieser beiden Figuren zu kennen. Denn egal ob Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie – die Bücher der beiden Autoren sind wahre Krimi-Meisterwerke.
Und so habe ich mich wieder mit dem arroganten, aber sympathischen belgischen Detektiv Poirot auf die Reise begeben in ein nicht allzu bekanntes Abenteuer: „Dreizehn bei Tisch“. Wie ich sagte, enttäuscht ist man von diesen Fällen nie, denn Poirots Geschichten sind durchdacht und haben ihren ganz eigenen Charme. So auch dieser Roman. Sicher nicht der beste aus Christies Feder, aber solide.


Klappentext


Mehr als einmal hat Lady Jane ihren Gatten, Lord Edgware, zur Hölle gewünscht. Doch als der Haustyrann eines Tages tot in seiner Bibliothek aufgefunden wird, beschleicht Meisterdetektiv Hercule Poirot der Verdacht, dass man ihn auf eine falsche Fährte locken will. Denn welches Motiv soll Lady Jane gehabt haben, da Lord Edgware doch kurz vor seinem Tod in die Scheidung eingewilligt hat?


Meinung


Die Poirot Bücher sehen immer so dünn und unscheinbar aus. Aber man sollte sie nicht unterschätzen. In der Fischer-Ausgabe, die ich besitze, ist die Schrift sehr klein und der Stil von Christie ist bekanntlich etwas altmodisch. Das Lesen kann also durchaus mal anstrengend werden, auch da man ja immer dazu angehalten ist, mitzudenken. Das mag ich an Poirot-Fällen aber so sehr. Und die Prise sarkastischen Humors ist zumeist die Kirsche obendrauf.
„Dreizehn bei Tisch“ ist bei Weitem nicht der spannendste Fall Poirots. Ehrlich gesagt, dauert es sogar eine ganze Weile, bis der Fall an Fahrt aufnimmt. Die ersten 50 Seiten sind schon geschafft, als der erste Mord geschieht. Eigentlich scheint alles einfach und klar – zu einfach, in den Augen von Poirot. Der kleine Detektiv ist der Einzige, der an die Unschuld der Verdächtigen glaubt und es beginnt eine Geschichte, die voll von Täuschungen und Intrigen steckt. All diese kommen erst nach und nach ans Licht und werden letztendlich meisterhaft von Poirot gelöst. Der Belgier ist mit sich selbst in diesem Fall sehr unzufrieden, da auch er sich täuschen lässt. Gleiches gilt natürlich für den Leser, weshalb man nie so genau weiß, was nun der Wahrheit entspricht. Nach einer Weile spitzen sich die Ereignisse zu und man hat es sogar mit drei Morden zu tun. Ein Fall, der zu Anfang ganz einfach aussah, wird komplizierter und treibt den liebreizenden Poirot in die Enge. Aber natürlich löst der Detektiv den Fall trotzdem und das geschieht auf spannende Art und Weise.
Wie immer ist Captain Hastings an Poirots Seite und unterstützt ihn tatkräftig mit Fehldeutungen. Ich mag die Chemie zwischen den beiden sehr gern. Meiner Meinung nach unterschätzt Poirot Hastings durchaus. Aber die ironische und warme Beziehung zwischen den beiden liefert den Fällen immer eine gewisse Menschlichkeit. Schließlich ist Poirot ansonsten ja unantastbar, wenn nicht gar unfehlbar. Die anderen Charaktere der Geschichte sind sehr interessant. Man bewegt sich in der oberen Gesellschaft und da hat ja bekanntlich jeder ein paar Leichen im Keller. Vieles ist zwielichtig, intrigant und verschwörerisch. Niemand rückt sofort mit der Wahrheit heraus und wenn es nur aus Liebelei-Gründen ist. So bleibt die Spannung und die Mystik um die Charaktere erhalten.
Wie bereits gesagt, das Buch hat so seine Längen und Startschwierigkeiten. Dennoch ist der Stil sehr sympathisch, weshalb man trotzdem gern weiter liest. Die Geschichte ist phänomenal durchdacht und am Ende ist alles ganz anders, als erwartet. Mit der finalen Wendung hatte ich wirklich nicht gerechnet und die Überraschung gelingt.


Fazit




Insgesamt ist „Dreizehn bei Tisch“ ein solider Poirot-Roman. Wie gut die Geschichte eigentlich ist, kommt erst am Ende heraus. Man muss ein wenig durchhalten, wird aber mit einer spannenden Kriminalgeschichte belohnt, die sich steigern kann. Poirot, der sarkastische (Anti-)Held der Geschichte ist wie immer überzeugend und Hastings sorgt für das ein oder andere Schmunzeln. Der Mord in der oberen Gesellschaft gefiel mir gut, denn es verdeutlicht doch irgendwie, dass wir alle ganz normale Menschen sind. Ich vergebe für diese abstruse Normalität mit all ihren Wendungen und Überraschungen 4 Spitzenschuhe, mon ami.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen