6. April 2017

Rezension: "Spiegel des Bösen" von Björn Springorum


Titel: Spiegel des Bösen
Autor: Björn Springorum
Verlag: Thienemann-Esslinger
Preis: 14,99€
Seiten: 384

Denke ich an das Genre der Grusel-/Horrorliteratur, fallen mir sofort Werke wie „Frankenstein“, „Dracula“ oder „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ ein. Ich treibe mich nicht sonderlich oft in diesem Genre herum, denn ich bin ein ängstlicher Mensch. Manchmal. Aber der Roman „Spiegel des Bösen“ von Björn Springorum hat mich dann doch magisch angezogen. Auch er gehört in die Sparte der Gruselliteratur, allerdings verpackt in ein Jugendbuch, was bereits eine spannende Mischung ist. Sowohl der Klappentext, als auch das Cover sind sehr gelungen und so wollte ich mich auf die schaurige Geschichte ins Grandhotel Rabenfels begeben. Es hat sich gelohnt. Eine durchdachte, spannende und an manchen Stellen auch gruselige Geschichte wartet in diesem alten Gemäuer auf euch…Seid ihr mutig genug das Geheimnis um das Grandhotel mit Sophie zu lösen?


Klappentext


Ein Grandhotel, in dem das Grauen herrscht, ein Zimmermädchen, das auf Rache schwört, drei Berghexen, die auf Seelen lauern, und eine Liebesgeschichte, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist ...

Meinung


Ich mag es, wenn Klappentexte nicht viel von der Geschichte verraten. Außerdem stehen der Titel und das Cover schon für eine bestimmte Richtung der Geschichte. Daher haben mir diese wenigen Zeilen gereicht. Für mich übte von Anfang an das Grandhotel, das auch auf dem Buchrücken abgebildet ist, eine gewisse Faszination aus. Wer träumt sich nicht mal in die alten, vergangenen Zeiten, in denen die Reichen und Schönen in diesen Etablissements abstiegen und sich selbst gebührend feierten? Dass solche Gebäude aber auch in gewisser Weise abschrecken, geht mit diesem Gedanken einher. Daher finde ich die Kulisse richtig klasse! Und Springorum vermittelt das Gefühl dieses großen Hotels mit all seinen verborgenen Gängen, Zimmern und selbst Etagen sehr gut. Ich selbst wäre in diesem Hotel bereits am ersten Tag vor Angst gestorben. Aber zum Glück heißt die Protagonistin Sophie und nicht Julia (, obwohl der Autor anfangs wirklich vorhatte sie Julia zu nennen) – denn Sophie ist mutig und eigensinnig. Sie ist eine gute Handlungsträgerin und schreckt vor den Geheimnissen des Hotels nicht zurück. 
Die Geschichte beginnt überaus mysteriös. Ich mochte den unmittelbaren Einstieg. Die Struktur des Buches ist sehr durchdacht und der Autor lässt nur langsam die ganze Geschichte ans Licht. Im Allgemeinen ist die Handlung hinter dem Buch durchaus zu erraten. Versucht man dies aber gar nicht erst, überraschen den Leser durchaus ein paar Wendungen. Das ganze Szenario ist gruselig und schaurig. Es ist nicht so, als wenn man vor dem Buch panisch davonrennen möchte, aber so ganz geheuer waren mir bestimmte Szenen nicht und ich bin froh, dass ich es nicht mit Geistern oder gruseligen Frauen im Spiegel zu tun habe. Es gibt viel Ungeklärtes, Surreales und Geheimnisvolles in diesem Buch. Man kommt der Lösung des Rätsels immer näher, muss dabei aber auch bestimmte Prüfungen bestehen. Aber was sage ich…"man"…ich meine natürlich Sophie und die anderen. 
Denn Sophie ist nicht allein. Sie wacht eines Morgens im Hotel auf, aber ihre Eltern sind verschwunden. Auch sonst nimmt im Hotel niemand sie wahr. Im Keller des riesigen, alte Gebäudes findet sie drei weitere Jugendliche, die das gleiche Schicksal ereilt hat. Allerdings scheinen diese drei bereits seit einem ganzen Jahrhundert in den Kellern des Hotels auszuharren. Margarete, Ludwig und Max sind gelungene Nebencharaktere. Man weiß nie genau, wem man trauen kann. Max ist dabei der absolute Sympathieträger. Ein Gentlemen, wie er im Buche steht – und natürlich ist er Teil der Liebesgeschichte. Die aber, wie der Klappentext bereits verrät, zum Scheitern verurteilt ist. Das will der Leser nicht akzeptieren, es bleibt aber unumstößlich. Sophie und Max sind ein tolles Gespann. Gemeinsam erkunden sie das Hotel und versuchen hinter sein Geheimnis zu kommen. Dabei verlieben sie sich und das ist zuckersüß. Allerdings gefielen mir Sophies Gefühle nicht so sehr. Sie beschreibt diese liebevollen Szenen immer ein bisschen merkwürdig, wenn man mich fragt. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon älter bin als Sophie, aber hier musste ich mich von der Geschichte manchmal distanzieren. Sophie nadelt nicht immer verständlich, bleibt sich selbst aber treu. Sie wäre wohl nie zu meiner Freundin im wahren Leben geworden, doch für diese Geschichte ist sie sehr passend. Max hingegen war mein Liebling. Er ist mutig, liebevoll und bildet mit Sophie zusammen eine gelungene Einheit. Ludwig ist etwas trottelig, aber zum Knuddeln und Margarete ist ziemlich unsympathisch. Dass auch sie nicht alles preisgibt, wird schnell klar. Tja und dann wären da noch die gruseligen Charaktere. Allen voran das mysteriöse Zimmermädchen. Sie stellt das Beispiel der zurückgestoßenen Liebe dar, die in Hass endete. Diesen Wandel hat der Autor schön dargestellt. Menschen sind zu vielen Dingen fähig und wenn sie dann auch noch die Unterstützung des Bösen bekommen, kommt solch eine Geschichte heraus. Die Frau im Spiegel war für mich das gruseligste Element der Geschichte. Aber auch der Concierge oder das Phantom haben es in sich. 
Der Schreibstil ist manchmal etwas brüchig. Springorum ist bemüht, nah an seiner Zielgruppe zu schreiben. Daher sind viele Sätze etwas kurz oder unflüssig. Dennoch kommt man super durchs Buch, auch weil das Vokabular sehr schön verpackt ist. Die Kapitel sind relativ kurz und der Beginn jedes Kapitels ist illustriert. Das macht das Buch zu einem wahren Hingucker. 
Das Ende des Buches hat mich dann wirklich mitgenommen. Es wird tragisch, wunderbar und grausam. Ich saß im Zug, als ich das Buch beendete und wollte danach eigentlich ein anderes anfangen. Allerdings musste ich zuerst das Ende von „Spiegel des Bösen“ verarbeiten. Denn die versteckte Moral ist großartig. Sowohl, was die wahre, als auch die familiäre Liebe angeht. Oder wie Max es formuliert: 
„Ich danke dir von ganzem Herzen – auch dafür, dass du mir bewiesen hast, dass es sich lohnt zu lieben. Ganz gleich, wie kurz oder lang.“ (S. 380)



Fazit


Mit diesem Zitat muss ich schließen. Obwohl „Spiegel des Bösen“ eine gruselige und schaurige Geschichte ist, ist sie genauso sehr eine Geschichte, die von Liebe und Hoffnung handelt. Diesen Bogen hat Björn Springorum wunderbar geschlagen und mich als Leser eingefangen. Die Beschreibungen sind toll, die Charaktere passen zur Handlung und das Konstrukt ist gut durchdacht. Die Kulisse gibt dem Ganzen den Rest. Lediglich einige Hürden im Schreibstil und manche Handlungen von Sophie trügen das tolle Bild. Und so verbleibe ich mit vier Spitzenschuhen. Sie geben in einem von Staub bedeckten Flur sicher auch ein schauriges Element fürs Grandhotel her…Buh!



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