15. Mai 2017

Rezension: "Raven's Blood - Pechschwarze Schwingen" von Sylvia Steele


Titel: Raven's Blood - Pechschwarze Schwingen
Autor: Sylvia Steele
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 4,99€
Seiten: 355

Ich habe nie viel über Raben nachgedacht. Und dennoch kann ich das Geheimnisvolle, das diese Tiere umgibt, nicht abstreiten. Ein Hauch Angst ist bei Raben aber auch im Spiel und deswegen ist dieses Tier so überaus interessant. Kein Wunder also, dass Sylvia Steele sich mit diesen Wesen in ihrem neuen Roman „Ravens’s Blood - Pechschwarze Schwingen“ beschäftigt. Es wäre mehr als untertrieben, zu sagen, dass es in diesem Buch nur um Raben und die damit verbundenen Geheimnisse geht. Denn es geht um so viel mehr. Das Buch hat mich wirklich überrascht und das im absolut positiven Sinne! Was wie eine ganz normale Liebesgeschichte im New Adult Bereich beginnt, entpuppt sich als fantastischer Handlungsturn, der ganz eindeutig im Bereich Fantasy anzusiedeln ist. Das überraschende Thema hat mich sofort für sich eingenommen und es macht die Geschichte sehr spannend. Viel Gefühl, starke Charaktere und einige Überraschungen: ein toller Auftakt!

Klappentext


Seitdem die 21-jährige Alexa Schwester und Mutter durch einen Autounfall verloren hat, scheint ihr der Boden unter den Füßen wie weggerissen. Erst mit Hilfe ihres Onkels kann sie wieder so etwas wie Glück empfinden. Doch dann taucht ausgerechnet Jake auf – der Mann, mit dem alles angefangen hat und der nicht nur Alexas alte Gefühle, sondern auch die vergangenen Ereignisse wieder aufleben lässt. Alexa weiß nicht, ob sie Jake noch einmal vertrauen kann, und auch der mysteriöse Rabe, dem sie seit seiner Ankunft immer wieder begegnet, wirft bei ihr weitere Fragen auf. Der Ruf des Raben wird es aber schließlich sein, der Alexas Schicksal offenbart und eine Macht hervorruft, die tief verborgen in ihr schlummert…

Meinung


Schon vor seinem Erscheinungstermin stand das Buch auf meiner Wunschliste, denn ich hatte die Autorin dieses Jahr in Leipzig kennen gelernt. Der Titel, das Cover und die schüchterne Art von Sylvia machten mich neugierig, also ging es los. „Schüchtern“ ist glaube ich so gar kein passender Begriff – weder für „Raven’s Blood“ noch für die Autorin. Aber das konnte ich damals ja nicht wissen.
Das Buch hat mich wirklich überrascht. Zu Beginn unterscheidet sich die Geschichte nicht stark von anderen guten Vertretern aus dem Genre der Liebesgeschichten. Der tragische Unfall, der vor allem zu Beginn stark im Fokus steht , ist das typische Element der Geschichten, in der „–Mädchen-trauert-Mädchen-trifft-Jugendliebe-wieder-Jugendliebe-hilft-ihr-aus-dem-Schmerz-tragischer-Zwischenfall-alles-gut“ – Manier. Daher hatte ich schon fast eine solche Geschichte erwartet. Aber falsch gedacht. Denn es kommt ganz anders, als man denkt. Und wenn ich schreibe „ganz anders“, dann meine ich das auch so. Man kann sich ja viele Dinge vorstellen, die mit Raben zu tun haben. Aber glaubt mir…ihr liegt falsch. Das einzige, was mir an dem Buch nicht so gut gefallen hat, ist der Punkt, dass die Story lange Zeit komplett ohne Andeutungen aus dem Fantasybereich auskommt. Es kam mir so vor, als wenn die Autorin eigentlich eine andere Geschichte schreiben wollte, dann diese Idee bekam und sie in die bestehende Liebesgeschichte eingebaut hat. Auf den zweiten Blick aber ist das ziemlich cool. Denn so beinhaltet „Raven’s Blood“ einen tollen Turn, mit dem man einfach nicht rechnet. Ich hätte mir nur schon zu Beginn ein paar mehr Andeutungen gewünscht.
Aber genug der Kritik. Denn abgesehen von diesem Punkt, kann ich nichts kritisieren. Wir lernen zu Beginn Lexi kennen. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die schon viel leiden musste, die aber ein relativ normales Leben führt. Ich mochte sie und sie handelt authentisch. Ich bin auf ihre Entwicklung in den Folgebänden sehr gespannt, denn sie hat viel Potenzial. Manchmal ist sie schon ein bisschen sehr abgeklärt, aber das passt zu ihrer Figur. Lexi ist am Anfang sehr einsam und hat lediglich ihren Onkel Rick. Rick ist eine tolle und auch geheimnisvolle Figur. Ich mochte ihn von Anfang an sehr. Direkt im ersten Kapitel trifft Lexi ihren Bruder wieder, der 4 Jahre lang bei der Army war. Josh ist ein netter Kerl, aber ein bisschen farblos. Dennoch mochte ich die Geschwister. Was Lexi nicht wissen kann, ist, dass Josh seinen besten Freund und damit Lexis Exfreund Jake mitbringt. Alte Wunden platzen auf und das Gefühlschaos bricht aus. Lexis beste Freundin Liv ist ein quirliger und liebenswerter Charakter und fügt sich wunderbar in die Geschichte. Und dann…ja, dann sind da noch so viele tolle Charaktere, über die man nicht viel sagen kann, ohne das große Thema des Buches zu verraten. Ich möchte nicht spoilern, aber das eigentliche Thema, das erst zur Mitte des Buches herauskommt, hat es in sich. Ich fand es einfach großartig! Ein Thema, das noch nicht so oft in Büchern verarbeitet wurde und mich daher wirklich vom Hocker gerissen hat.
SPOILER: Wer weiter lesen möchte, einfach Text markieren
Denn anders als die griechische Mythologie, haben die nordischen Gottheiten noch nicht oft Einzug in Bücher dieser Art gefunden. Jetzt ist die Bombe geplatzt. Lexi ist eine Enkelin von Odin, dem Allvater und daher mit all den liebenswerten Charakteren, wie etwa Thor, verwandt. Ein Teil der Geschichte spielt in Ansgard und das ist ein unglaublicher Handlungsort. Er ist traumhaft beschrieben und dieser Wendepunkt bringt die Geschichte wirklich voran. Jake ist ebenfalls ein Abkömmling der Götter und somit schafft Sylvia Steele es, am Ende wieder alle Fäden zusammenzuziehen und ein logisches Handlungsgerüst aufzubauen. Thor, der eben schon erwähnt wurde, ist übrigens mein Liebling. Der chaotische und lustige Gott sorgt für einige Lacher im Buch. Aber auch der Rest der Familie ist absolut sympathisch – wenn es nicht auch die Bösewichte gäbe…
Lexi hat besondere Fähigkeiten und stellt sich tapfer ihrem Schicksal. An ihrer Seite ist dabei immer ihre Familie und auch Jake. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist niedlich und trotzdem allumfassend. Ich habe jede Sekunde an die beiden geglaubt und fand ihre Liebe authentisch. Neben der Liebesgeschichte gibt es den spannenden Teil der Geschichte. Denn nachdem Lexi erfahren hat, was es mit dem Raben und seiner Kraft auf sich hat, ist sie breit sich ihrem Schicksal zu stellen. Das geht leider nicht ohne Verluste von Statten und gerade am Ende gibt es eine unglaubliche Wendung. Ich war wirklich schockiert und hätte damit nicht gerechnet. An dieser Stelle also ein Lob für den Aufbau der Handlung, vor allem zum Ende hin. Spannung wird hier großgeschrieben und das Finale ist fulminant. 
Der Stil der Autorin ist sehr leicht und liebenswert. Man kommt gut durchs Buch, bekommt viele Beschreibungen geliefert, die aber nicht stören, sondern die Vorstellungskraft des Lesers anregen. Der Stil passt wirklich perfekt ins Buch.


Fazit



„Raven’s Blood – Pechschwarze Schwingen“ ist ein Buch, das es sich lohnt zu lesen. Eine Geschichte, die erst ganz langsam an Fahrt aufnimmt, entpuppt sich als toll aufgebaute Fantasystory mit ungewöhnlichem, dafür aber umso tollerem Thema, in das ich mich sofort verliebt habe. Starke Charaktere, eine süße Liebesgeschichte und eine Macht, die alles verändert, was man kannte. Tolle Elemente und eine tolle Umsetzung. Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.



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