26. Juli 2017

Rezension: "Betrogen" von P. C. Cast & Kristin Cast


Titel: House of Night - Betrogen
Autor: P. C. Cast & Kristin Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,95€
Seiten: 512

Eine Reihe, die sich über zwölf Teile erstreckt hat etwas Abschreckendes. Auf Empfehlung habe ich dennoch mit der „House of Night“-Reihe begonnen. Sie ist schon ein paar Tage älter und hat ein typisches Jugendbuch-Fantasy-Thema: Vampire. Ich finde es immer wieder toll, wie Autoren fantastischen Wesen neu erfinden, ihnen innovative Eigenschaften zuschreiben oder eine ganz neue Welt konstruieren. Der erste Teil „Gezeichnet“ hat mich positiv überrascht und ich hatte auf jeden Fall Lust weiter zu lesen. Also widmete ich mich dem zweiten Teil „Betrogen“. Ich empfand das Buch als etwas schwächer gegenüber seinem Vorgänger, aber das Cast-Duo weiß seine Geschichte gut zu erzählen. Besonders zum Ende hin passiert sehr viel, das ständige Gefühls-Hin-und-Her der Protagonistin hat mich aber gestört. Ein solider zweiter Teil, der sich aber auf jeden Fall steigern lässt.

Zoey hat sich im House of Night eingelebt und gewöhnt sich an die enormen Kräfte, die ihr die Göttin Nyx verliehen hat. Endlich fühlt sie sich sicher und zu Hause, da passiert das Unfassbare: Menschliche Teenager werden getötet und alle Spuren führen zum House of Night. Als die Freunde aus ihrem alten Leben in höchster Gefahr schweben, ahnt Zoey, dass die Kräfte, die sie so einzigartig machen, eine Bedrohung sein können: für alle, die sie liebt.

Irgendetwas hat die Reihe an sich, das mir gefällt. Und ehrlich gesagt ist das nicht sofort ersichtlich. Denn was ich wirklich nicht leiden kann ist dieser Besonderheitsstatus von Zoey. Zoey ist ein Charakter, der für ein Jugendbuch absolut in Ordnung geht. Sie gehört nicht richtig dazu, ihr Zuhause ist kein solches und dann ändert sich plötzlich alles, da sie gezeichnet wird. Das Gesamtkonstrukt von „House of Night“ gefällt mir auf jeden Fall. Ich finde, dass das Konzept innovativ und außerdem logisch ist. Die beiden Autorinnen haben sich viele Gedanken zu ihrem Weltentwurf gemacht und deshalb ergibt in dieser Welt auch alles einen Sinn. Die Vampirgöttin Nyx existiert und leitete das Leben der Vampire an. Aber Zoey hat sie zu etwas auserkoren. Und das finde ich so nervig. Denn sie ist die Heldin. Der Jungvampir mit den Tattoos, den besonderen Gaben, den tollsten Freunden und dem heißesten Freund. Uuuuh….toll…
Ich finde dieses ganze Gehabe einfach unnötig. Es macht im Rahmen der Handlung Sinn und natürlich muss alles genau so sein, damit die Geschichte sich entwickeln kann. Nerven darf es den Leser dennoch. In „Betrogen“ nervte mich ein ganz anderer Umstand aber vielmehr, der auch mit Zoey zu tun hatte – ihre Gefühlswelt. Erst vor kurzem hat sie sich von ihrem menschlichen Freund abgewendet, weil sie ihn total doof fand und Eric ja der absolute Hammer war. Und plötzlich findet sie Heath gar nicht mehr so blöd, im Gegenteil. Und Eric ist im Moment ja nicht im HoN, deswegen vergisst man einfach mal, wen man besser findet. Ach ja und dann besteht da noch diese sexuelle Spannung zu einem ihrer Lehrer. Also wirklich. Das war too much. Ich hatte mich im ersten Buch so mit Eric und Zoey gefreut! Und dann plötzlich all dieses Zweifeln. Die Tatsache, dass Eric erst irgendwann bei Seite 270 wieder auftaucht, trug nicht zu einer Verbesserung bei. Zugeben muss ich aber, dass ich nicht nur den Charakter Eric, sondern auch Heath mag. Der Junge ist doch irgendwie herrlich normal. Und das scheint auch Zoey plötzlich so zu empfinden. Aber sie soll sich doch bitte mal entscheiden! Heath spielt in diesem Buch eine sehr große Rolle und das fand ich gut. Er ist außerdem ein lustiges Kerlchen und bringt Humor mit in das spannende Ende.
Spannend ist das Buch allemal, allerdings nicht von Beginn an. Ich habe wirklich gebraucht, bis ich in die Geschichte fand. Alles startet so langsam und beschäftigt sich mit unnötigen. Aber als Eric dann irgendwann endlich da ist, ändert sich das. In der Gegend sind zwei Morde geschehen und die Spuren führen zum House of Night. Außerdem wird Zoey Neferet gegenüber immer misstrauischer – zurecht, wie sich zeigt. Schon diese beiden Umstände machen das Buch spannend. Und emotional bleibt es. Es geht sehr viel um Freundschaft und ich finde Zoey Clique einfach toll. Damien und Stevie Rae sind auf jeden Fall meine Favoriten. Zu den Zwillingen finde ich leider keinen Draht. Umso schlimmer ist es, dass in diesem Buch etwas wirklich Grauenhaftes bezüglich Zoeys Freundschaften geschieht, was ich kaum fassen konnte. Es machte mich traurig und ich wollte das Buch weglegen. Aber natürlich las ich weiter. Mir gefällt diese Entwicklung wirklich nicht und ich bin gespannt, wie es um Zoeys Freunde weitergehen wird. Auf jeden Fall haben es die Autorinnen mit diesem Plottwist geschafft, mich zu überraschen – immerhin. Eine besondere Erwähnung ist sicher noch Aphrodite wert. Ich bin mir sicher, dass sie in den nächsten Bänden noch sehr wichtig werden wird, denn eine Besserung ist in Sicht. Darauf freue ich mich in der Tat.
Der Stil des Cast-Duos ist wirklich gut. Man kann das Buch sehr schnell lesen, da der Stil flüssig, bildreich und auch an den richtigen Stellen frech ist. Die beiden wissen einfach, wie sie ihre Geschichte am besten erzählen und deswegen tun sie es auch gekonnt.



„Betrogen“ startet schwach und wird dann deutlich besser! Die Geschichte ist am Ende sehr spannend, viele verschiedene Handlungsstränge werden immer wichtiger und das Buch weiß sogar zu überraschen. Es gibt tolle Charaktere – mekrwürdigerweise sind das meistens die männlichen -, Zoeys Status missfällt mir aber. Dafür fehlt mir die Identifikation mit diesem ach-so-tollen Jungvampir. Ich fand das Buch nicht so gut wie seinen Vorgänger, bin aber gespannt, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Ich hoffe, dass das ganze Hin-und-Her abnimmt, bezweifle das aber, wenn ich bedenke, dass es 10 weitere Bände gibt. Für „Betrogen“ vergebe ich knappe vier Spitzenschuhe.




25. Juli 2017

Der Ort des Grauens: (Reise-) Bericht über das KZ Auschwitz und Kurzrezension zu "Schreiben nach Auschwitz" von Günther Grass

 Ihr Lieben!


Für viele Menschen hat der Holocaust einen weiteren Namen, einen Ort, der all das Schreckliche was die Nationalsozialisten anderen Menschen angetan haben repräsentiert: Auschwitz. Jeder hat diesen Namen schon einmal gehört und das nicht unbedingt im Geschichtsunterricht. Es ist das bekannteste Konzentrationslager aus der NS-Zeit und wohl auch das Schrecklichste, denn es gilt als das größte Vernichtungslager der Nazis. Gleich zu Anfang will ich sagen, dass man bei solchen Begriffen nicht abstrahieren kann. Es gab sicher nie "das Schrecklichste", denn jedes Lager war schrecklich, jedes konnte den Tod bedeuten. In Auschwitz handelte man mit diesem allerdings zahlreich. Auschwitz bedeutete für die meisten Menschen, die dorthin deportiert wurden, nichts anderes als Tod. 


Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein KZ besucht. Dabei handelte es sich um "Buchenwald" bei Weimar. Es war grauenhaft und einschüchternd. Ich habe viel von diesem Besuch mitgenommen. Unser Guide war zeitgleich Zeitzeuge und daher war die Führung durch das Lager mehr als nur informativ. Aber denkt man eben an den Begriff KZ, dauert es nicht lange, bis man doch beim nächsten Begriff - Auschwitz - landet. Man kennt die Bilder aus Büchern oder dem Fernsehen. Der zynische Schriftzug über dem Tor "Arbeit macht frei" oder das Bahnhofstor von Birkenau. Beide Bilder waren für mich immer Symbole des Schreckens. 
In wenigen Monaten werde ich an eine Schule kommen und mein Referendariat beginnen. Das heißt auch, dass ich Geschichte unterrichten werde. Der Nationalsozialismus ist bei Weitem nicht mein Lieblingsthema im Unterricht, aber man kann unglaublich viel machen und sich mit wichtigen Themen beschäftigen. Da der Nationalsozialismus noch gar nicht so lange her ist, ist die Quellenlage sehr gut, was die Arbeit eines Historikers erleichtert. Bereits vor zwei Jahren unterrichtete ich NS, allerdings nur bis zur "beginnenden Judendeportation". So kam ich um den Holocaust im Unterricht bisher herum. Aber das wird nicht ewig so sein.
Jeder kennt es aus seiner eigenen Schulzeit: Man mag die Fächer und bestimmte Themen, bei denen man den dazugehörigen Lehrer und seine vermittelte Leidenschaft mag. So vieles hängt in der Schule vom Lehrer ab. Mir ist das bewusst. Natürlich habe ich daher erstrebenswerte Ideale und hoffe, dass ich eine Lehrerin sein werde, die durch ihre Themen und das Interesse daran begeistern kann.



Lange Rede, kurzer Sinn: Ich wollte Auschwitz sehen, um einen Eindruck zu gewinnen, um diesem Thema näher zu kommen und es später besser zu unterrichten. Um authentisch unterrichten zu können.


Vor kurzem habe ich meinen Reisebericht aus Krakau bereits hochgeladen. Anfang des Monats war ich mit meinem Vater in Polen, ein Geburtstagsgeschenk. Aber eigentlich schenkte mir mein Vater keinen Krakau-Trip, sondern eine Art Studienreise nach Auschwitz. Krakau war lediglich der naheliegende Ort, den man mit diesem Trip verband. In meinem Bericht habe ich bereits vom Interesse meines Vaters bezüglich der NS-Zeit gesprochen. Über Geschichte können mein Vater und ich ziemlich viel diskutieren und daher war dieser Trip ihm auch eine Herzensangelegenheit. 
Wir fuhren also vor allem mit der Intention nach Krakau, Auschwitz zu besuchen. Einen Tagesausflug buchte ich vorher von Deutschland aus, so dass der Tag organisiert war.
Unser dritter Tag in Krakau war dann unser Ausflugstag. Und da das Thema Auschwitz sehr viel düsterer als mein fröhlicher Reisebericht ist, wollte ich diesen Tag aus dem Bericht auskoppel und separat davon berichten.


Auschwitz


Es dauerte etwa 1,5 Stunden, bis wir von Krakau in Auschwitz waren. Wir fuhren mit einer kleinen Reisegruppe und wurden in deutscher Sprache durch das Stammlager I und Auschwitz-Birkenau geführt. Hierbei handelt es sich quasi um zwei Lager. Sie sind nicht weit voneinander entfernt, mit dem Auto nur ca. 5 Minuten. Vorher dachte ich trotzdem, dass alles beieinander liegen würde. Tut es aber nicht. Das Tor "Arbeit macht frei" steht also auf einer anderen Anlage als das Bahnhofstor.

Das Stammlager I

Unsere Führung begann im Stammlager I. Was ich nicht wusste, war dass Auschwitz aus ganz bestimmten Gründen von den Nazis ausgewählt wurde. 


Einer der Gründe war, dass der Ort sehr zentral lag und von überall über Schienen gut erreichbar war. Das war rein logistisch gedacht sehr wichtig, da man die Juden aus aller Welt deportieren wollte. Das klingt jetzt schlimm. Aber leider ist es die Wahrheit. Es soll keinerlei Wertung von mir sein oder Ähnliches. Ich will lediglich berichten. Vor allem waren in Auschwitz Juden inhaftiert, die sogar aus Jugoslawien oder Griechenland deportiert wurden. Im Museum erfuhren wir, dass einige Griechen sogar ihr Bahnticket nach Auschwitz selbst bezahlen mussten...Ich weiß bis heute nicht, wie ich auf diesen Fakt reagieren soll.
Viel wichtiger als die Zentralität war aber der Grund, dass an genau diesem Ort erst vor kurzem eine polnische Kaserne aufgegeben wurde. Das bedeutete für die Nazis, dass sie in ein quasi fertiges Lager ziehen konnten, nicht mehr viel bauen mussten und die "Arbeit" schnell beginnen konnte. 

Das sogenannte "Stammlager I" war also schon errichtet - und genau das machte die Sache für mich so furchtbar! Denn wenn man das Stammlager betritt, dann sieht es eigentlich ganz nett aus. Ich habe im Vorfeld einiges über Auschwitz gelesen und das Grauen hatte in meinem Kopf bereits Gestalt angenommen. Deswegen war ich doch etwas schockiert, als mir das Stammlager in 26 Ziegelbauten präsentiert wurde. Es handelt sich um die sogenannten 26 Blöcke, also 26 hübsche rote Häuschen, die sehr nett angeordnet sind. Nun gut, drum herum ist Stacheldraht, ein unter Strom gesetzter Zaun, Wachtürme und alles, was dazu gehört. Ja und natürlich sind auch auf dem Gelände die grausamsten Dinge. Aber alles sieht so normal aus...so viel weniger schrecklich, als ich annahm. Und das hat mich so richtig schockiert. Selbst der Ort, an dem Häftlinge gehängt wurden, scheint auf den ersten Blick unscheinbar. Eine Metallstange steht mitten in den Gängen des Lagers. Was an diesem Ort alles geschah, kann man im ersten Moment nicht erfassen.

Aber mit der Zeit erfasst man es eben doch - zum Glück. Meine Erwartungen waren zwar andere, aber Auschwitz bleibt das Grauen selbst. In den einzelnen Blöcken sind Ausstellungen untergebracht. Natürlich war es auch an unserem Besuchstag sehr voll und wir sahen nur wenige Blöcke von innen. Darunter allerdings der gefürchtete Block 11. Mussten Häftlinge in dieses Gebäude, wussten sie, dass es sich quasi um ihr Todesurteil handelte. Dort saß das "Gericht" und verurteilte die Häftlinge. Auch sind im Keller noch die Zellen erhalten und verschiedene Foltermethoden erkennbar. Von diesem Block aus gelangten die Häftlinge außerdem direkt auf den Erschießungsplatz. Ich kann mir nicht vorstellen, wie viele Menschen an diesem Ort ihr Leben ließen. Insgesamt sollen 1,1-1,5 Millionen Menschen in Auschwitz gestorben sein. Davon um die 90% Juden. Die meisten wurden aber keinesfalls erschossen, wie ihr sicher wisst. Sie fanden den Tod in den Gaskammern, weshalb Auschwitz auch Vernichtungslager genannt wird. Die Menschen wurden hier vernichtet, aber dazu an anderer Stelle mehr.



Im Stammlager I lebten vor allem Funktionshäftlinge, also die höher gestellten Häftlinge, die die Nazis aus irgendeinem Grund benötigten. Ein Beispiel wäre der Fotograf Wilhelm Brasse, über dessen Leben ich vorher ein Buch gelesen und rezensiert habe. Durch dieses Buch wusste ich schon vor der Führung eine Menge und es war ein völlig anderes Gefühl, an den beschriebenen Orten zu stehen. Nur in Ansätzen kann man heute nachvollziehen, was sich im Lager zugetragen haben muss.

Mir persönlich fehlte eine Ausstellung über die Täter in Stammlager. Gern hätte ich mehr über Mengele oder Höß erfahren. Vielleicht gibt es eine solche Ausstellung auch und ich habe sie nur nicht gesehen. Sollte es sie nicht geben, verstehe ich die Intention, den Ort den Opfern und nicht den Tätern zu widmen. Dennoch gibt es sicher auch gute Gründe für eine genauere Betrachtung der Täter.
Am Schlimmsten war wohl das Durchqueren des Tors in Stammlager I. Auch das Betreten von Block 11 und dem Erschießungsplatz war grauenhaft. Aber der berühmteste Museumsblock ist sicher der, in der die "Schätze aus Kanada" ausgestellt sind. "Kanada" war Lagerjargon und meinte den Ort, an dem das Eigentum der Häftlinge lagerte, das man ihnen abnahm. Viele Dinge sind nach der Befreiung des KZs gefunden und ausgestellt worden. Es ist bis heute verboten in einem der Räume zu fotografieren und ich möchte auch sonst keine Bilder dieser Ausstellung zeigen. Es gibt hinter Glas eine Aufstapelung der immer gleichen Dinge. Ein Raum zeigt Schuhe. Abertausende Schuhe. Oder Töpfe. Bürsten. Brillen. Und Haare. Die Haare darf man bis heute nicht fotografieren. Zurecht. Sieht man diese Unmengen an Frauenhaar, kann man nicht mehr weiter denken. Solltet ihr es nicht wissen, komme ich gleich noch auf den Ablauf des Vernichtungsprozesses zu sprechen. Aber hier sei schon mal gesagt, dass den Frauen die Haare vorher abgeschnitten wurden. Sie wurden tonnenweise an eine Firma verkauft, die daraus Echthaarperücken machte. 



Wir verließen das Stammlager I über den Zugang zum Krematorium I. Dieses Befindet sich noch auf dem gleichen Komplex. Die Öfen sind hier nachgebaut, da die Nazis zuvor alles sprengten - auch die Krematorien in Birkenau.

Auschwitz - Birkenau

Nach einer kurzen Fahrt ging es dann mit Auschwitz-Birkenau weiter, das eigentliche KZ, das aussieht, wie man es sich vorstellt. Hier bekommt man einen Eindruck der Größe des Lagers. Es handelt sich um einen riesigen Komplex. Auch hier war es ein komisches Gefühl das Symbol - das Bahnhofstor - anzuschauen. Unser Guide ging mit uns zur "Rampe". So wurde der Sandplatz bei den Schienen auch damals schon genannt, auf dem die ankommenden Häftlinge ihre Habseligkeiten lassen mussten und direkt zur Selektion weiter gingen. Die meisten Häftlinge wussten nicht, was sie erwarten würde und sie nahmen all ihren Besitz mit. Vielen wurde gesagt, dass sie umgesiedelt werden würden. Erst vor Ort wurde offensichtlich, dass dem nicht so war. Auf dieser Rampe zu stehen, war so befremdlich, wie nur irgendwas. Rund herum die Größe des Lagers. Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzen will, ist ein Besuch des KZ wirklich ein wichtiger Teil davon.

Von der Rampe aus gingen wir den gleichen Weg wie die inhaftierten Menschen. Zum Ort, an dem die Selektionen stattfanden. Die Menschen mussten sich in eine Reihe stellen. Dann wurde ihr Name aufgenommen. Ein Arzt stand bei der Soldaten und zeigte mit seiner Hand die Richtung an, die der Häftling nehmen sollte. Die eine Richtung bedeutete Arbeitslager. Hier kamen die Menschen hin, die man noch "gebrauchen" konnte. Denn Häftlinge waren für die Nazis nur "nachlieferbare Arbeitsware". Die andere Richtung bedeutete Gaskammer. Und zwar unmittelbar. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Die Menschen wurden direkt nach ihrer Ankunft zu den Krematorien geschickt. Was danach kam, wissen sicher viele von euch. Es wurde von Duschen gesprochen.
Die Menschen wurden nach Geschlecht getrennt. Ansonsten hätte das Dusch-Argument schon früher Ungültigkeit bewiesen. Die Menschen mussten zuerst in einen Auskleideraum unter der Erde. Im nächsten Raum wurden den Frauen die Haare abgeschnitten. Der letzte Raum war die Gaskammer. Die Nazis waren sehr stolz darauf, die Vergasung immer weiter "optimiert" zu haben und letztendlich nur noch 20 Minuten für den "Prozess" benötigt zu haben. Es gab Menschen, die stolz darauf waren, mehrere hundert Menschen am Tag "abgefertigt" zu bekommen.

Ich halte über der Tastatur gerade des Öfteren inne, weil es mir so schwer fällt, die Worte zu tippen. Auch vor Ort wurde mir schlecht.

Obwohl die Nazis ja so stolz waren, wollten sie ihre Spuren bei ersichtlichem Kriegsende natürlich vernichten. In Auschwitz wurden die beiden Gaskammern gesprengt. Die Ruinen stehen noch genauso da, wie sie von den Nazis zurückgelassen wurden. Wenn man vorher den Aufbau betrachtet hat und dann plötzlich die Ruine in Realität sieht, ist man erneut erschüttert. 
An manchen Stellen im Lager, vor allem bei der Rampe und Selektionsstelle, stehen heute Fotos, die an genau den gleichen Orten aufgenommen wurden. Man kommt um eine Auseinandersetzung nicht herum. Und gerade diese empfinde ich als sehr wichtig!


Unsere letzt Station war eine Baracke, die von Frauen und ihren Kindern bewohnt wurde. Der Zustand war deutlich schlechter als noch im Stammlager und zeigte so wohl eher die realen Verhältnisse. Schlucken musste ich, als mir gesagt wurde, wie viele Menschen in einer solchen Baracke gelebt haben. Die genaue Zahl ist unbekannt. Aber Zeitzeugen haben berichtete, dass auf jeder Einheit 4 bis 5 Frauen geschlafen haben. Es gab drei Einheiten übereinander, sicher um die 50-100 in einer Baracke. Auf dem Foto seht ihr eine solche Einheit. Der Waschbereich im Hintergrund war zu Lagerzeiten noch nicht funktionstüchtig. Die Einheiten sind nicht einmal so groß wie mein Bett. 





Wie ihr schon merkt, ist dieser Post nicht mit Unterhaltungsintention geschrieben. Das Thema ist noch furchtbarer, als ich es darstellen kann. Aber mir war der Besuch sehr wichtig! In meinem Bericht findet ihr nicht annährend genügend Informationen, aber auf den Wikipedia-Seiten könnt ihr Vieles nachlesen, wenn ihr Interesse habt.







Ich habe von diesem Tag viel mitgenommen und werde gerade beim Tippen wieder mit den Bildern konfrontiert. Ich habe das feste Ziel, eines Tages mit Schülern nach Auschwitz zu reisen. Ich denke, dass man das KZ gesehen haben sollte, wenn es einem möglich ist. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist auch heute so wichtig! Denn bis heute zeichnen sich Spuren der gleichen Motive in unsere Gegenwart...


Eine Beschäftigung mit diesen Themen, mit diesen Orten ist wichtig. Lasst uns das nicht vergessen.

Eure Julia




Kurzrezension "Schreiben nach Auschwitz"



Titel: Schreiben nach Auschwitz
Autor: Günther Grass
Verlag: Frankfurter Poetik Vorlesung
Preis: 3,48€
Seiten: 48


Einen Tag vor unserem Auschwitz-Besuch kaufte ich mir das kleine Büchlein "Schreiben nach Auschwitz" von Günther Grass in einer jüdischen Buchhandlung in Krakau. Schon allein der Ort hatte eine sehr starke Atmosphäre. Das Buch musste ich deswegen einfach mitnehmen. 
Es kann kaum als Buch bezeichnet werden, da es eine Abschrift eines Vortrags ist, den Grass 1990 in Ost-Berlin gehalten hat.Es handelte sich um eine Vortragsreihe mit dem Thema "Schreiben nach Auschwitz". Eine sehr bewegende, aber auch schwere Schrift.


Klappentext


Normalerweise würde an dieser Stelle der Klappentext folgen. Aber es gibt keinen.

Meinung



Ich schreibe ganz bewusst eine Kurzrezension. Denn das Buch ist auch überaus kurz und es bedarf nicht vieler Worte zum Inhalt. Die 45 Seiten lassen sich schnell lesen und sie nehmen den Leser sehr mit. Ich glaube, dass der Vortrag damals überaus interessant war. Denn Grass spricht das an, was viele lang nicht sehen wollten. Die Argumente die in die Richtung"Wir haben davon nichts mitbekommen" gehen, entsprechen einfach nicht der Realität. Zu NS-Zeiten hat man etwas mitbekommen. Wenn Nachbarn verschwunden sind, oder andere Menschen aus dem ganz alltäglichen Lebensbild plötzlich verschwanden, dann fragte niemand nach. Es kann keine einzelne Partei gewesen sein, die für Dinge verantwortlich war, die heute mit dem Begriff "Auschwitz" gern zusammengefasst werden. Es war das ganze deutsche Volk. Man hat es geschehen lassen. Und man fragte nicht nach. Tat man einfach nicht.
Grass berichtet aus einer sehr interessanten Perspektive, denn auch er war Mitglied der Hitler-Jugend, sang mit den Kameraden und spielte Kriegsspiele. Den damaligen Jungen wurde kein Vorwurf gemacht, da sie ihre Handlungen noch nicht reflektieren konnten. Aber Grass macht sich einen Vorwurf. Der gesamte Vortrag ist sehr kritisch und er geht mit dem deutschen Volk sehr hart ins Gericht. Dabei nimmt er sich selbst nicht aus.
Er berichtet chronologisch aus seinem Leben und wann ihm "Auschwitz" immer begegnete.  Dazu führt er verschiedene Bühnenstücke und Gedichte an. Das Fazit? Man kommt an Auschwitz einfach nicht vorbei. Zu viel Verantwortung muss man doch tragen.
Auch kritisiert er die "Heuchelei" nach dem Krieg. Dass es selbstverständlich sei, wie man zu stehen habe.

"Die Eindeutigkeit machte mich misstrauisch. Mutete solch nachgeholter Antifaschismus nicht wie Pflichtübung an, anpasserisch in einer Zeit, die auf Anpassung abonniert war, verlogen also und geradezu obszön, gemessen am zwar ohnmächtig geringen, aber in Spuren doch nachweisbaren Widerstand gegen den Nationalsozialismus?" (S. 22)
Grass' Gedanken sind wirklich lesenswert, wenn auch hart. Der Stil ist außerdem nicht ganz einfach, wie man am Zitat erkennen kann. Es ist nicht immer leicht, Grass' Ausführungen zu folgen, versteht man sie aber, ist es bereichernd.

Fazit


Eine lesenswerte Abschrift eines sicher beeindruckendes Vortrags, der die Wichtigkeit des Themas Auschwitz, wenn auch als Stellvertreter für weitere Dinge, verdeutlicht. 




24. Juli 2017

Rezension [Hörbuch]: "Star Wars - Episode III: Die Rache der Sith" von Matthew Stover


Titel: Star Wars - Episode III: Die Rache der Sith
Autor: Matthew Stover
Sprecher: Philipp Moog
Verlag: Randomhouse Audioz
Preis: 14,99€
Dauer: 14h
Seiten Original: 449

Ich liebe „Star Wars“ (und ich weiß nicht, wie viele Rezensionen ich schon mit diesem Satz angefangen habe). Mein Herz gehörte immer den Episoden I und II, weil ich Padmé bewundere, ganz vernarrt in Anakin bin und Obi Wan mich fasziniert. Ich liebe die Effekte der Filme, das Konzept, die Figuren. Umso grausamer empfinde ich „Episode III: Die Rache der Sith“. Denn obwohl man weiß, wie die Geschichte ausgehen muss, blutet mir jedes Mal das Herz, wenn ich an den Wandel von Anakin Skywalker zu Darth Vader denke. All der Krieg, all die Dunkelheit und Zerstörung – ja, die Vernichtung der Jedi. Die Geschichte ist einfach furchtbar, aber sie gehört dazu, sie muss so ablaufen. Beim Film breche ich jedes Mal nach spätestens einer Stunde in Tränen aus und diese versiegen nicht mehr. Nachdem ich die Hörbücher zu Episode I und II gehört hatte, überlegte ich lang, ob ich mich auch der verhassten Episode III zuwenden sollte. Ich konnte nicht anders. 
Meine Erwartungen waren gering, da ich den Film so schrecklich finde. Würde ich es aushalten, 14 Stunden lang zu hören, wie Anakin sich der dunklen Seite der Macht zuwendet und damit alles zerstört – ohne zu weinen?! Ich hielt es aus. Denn das Hörbuch ist wie auch die ersten beiden absolut gelungen! Der Sprecher Philipp Moog, der den Charakter Obi-Wan auch synchronisiert, ist unglaublich überzeugend und haucht der Geschichte Leben und Emotionen ein! Ich habe nicht geweint, aber gelitten. Leider ist der Stil des Autors etwas ruppig, aber Moog macht das alles wett und deswegen wird „Die Rache der Sith“ ein unwiderstehliches Star Wars Abenteuer!

Die Dunkle Seite wird stärker, überall in der Galaxis herrscht Krieg. Während der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi auf den Planeten Utapau reist, um den berüchtigten General Grievous zu töten, fürchtet Anakin um das Leben seiner geheimen Liebe Senatorin Padmé Amidala. Er wird von fürchterlichen Visionen gequält, in denen Padmé stirbt. Um sie zu retten, begibt er sich auf einen gefährlichen Pfad und bestimmt damit sein Schicksal und das des altehrwürdigen Ordens der Jedi. Darth Sidious erkennt Anakins Schwäche und schafft einen neuen Sith Lord, größer und mächtiger als alle vor ihm: Darth Vader.

Greift ihr zu diesem Hörbuch, muss euch bewusst sein, dass es eine epische Länge besitzt. Vierzehn Stunden empfinde ich als enorm! Sicher, der Film ist auch nicht gerade kurz, aber die Dauer des Hörbuches lässt schon vermuten, dass manche Stellen etwas gezogen sind. Das trifft aber nur in Teilen zu. Zu keinem Zeitpunkt empfand ich das Hörbuch als langweilig, manchmal aber doch als etwas in die Länge gezogen. Außerdem ist die Verteilung etwas merkwürdig. Es dauert ewig - mehrere Stunden – bis Anakin und Obi Wan nach Coruscant zurückkehren, nachdem sie Count Doku eliminiert haben. Dieser erste Kampf ist episch und wird bis ins kleinste Detail geschildert. Aber genau hier beginnt eben auch Anakins Weg zur dunklen Seite der Macht und deswegen ist er so wichtig und auch ausführlich geschildert. Es wird viel Zeit auf die Entwicklung der Charaktere verwendet. Man gewinnt eine unglaubliche Innensicht der Figuren und wird Teil ihres Gefühlschaos. Hört man sich das Hörbuch an, versteht man die Entwicklungen dieser Geschichte, auch des Films, so viel besser! Man kann die Entscheidungen verstehen, man erkennt die Logik der Handlung.
Dennoch hat es mich überrascht, dass das Ende relativ abgekürzt ist. Nicht einmal das letzte Drittel des Hörbuchs agiert nicht mehr Anakin, sondern Darth Vader. Das ist ein Wechsel, den ich als überaus positiv hervorheben muss. Ich dachte, ich komme mit diesem Wandel nicht zurecht. Aber Matthew Stover, der Autor des Buches, schafft es gut, Anakin Skywalker auszulöschen und an seine Stelle eine völlig andere Figur zu setzen – Darth Vader. Diese beiden Figuren haben nichts mehr gemein und das erleichtert dem Hörer das Verstehen, aber auch diese Entwicklung. Insgesamt muss man aber sagen, dass der Schreibstil von Stover etwas eigen ist. Sehr oft, vor allem zu Beginn, werden Kapitel eingeleitete mit „Dies ist….“ und dann „Anakin Skywalker, Obi Wan Keboni, Padmé Amidala" oder sonst jemand. Dann wird eine Art Innensicht präsentiert, die zwar verdeutlicht, wie sich der Charakter fühlt, der in einer Art Hörfluss aber deplatziert wirkt. Der Schreibstil gefiel mir nicht so gut, obwohl viele Kampfszenen toll geschildert sind und auch die romantischen Szenen zwischen Anakin und Padmé gut geschrieben sind. Wer aber wirklich für die hervorgerufenen Emotionen verantwortlich ist, ist der Sprecher Philipp Moog. Er ist wahnsinnig gut und hat sich über die ersten beiden Hörbücher wirklich noch einmal entwickelt. Seine Stimme trägt die Handlung, vertont sie authentisch und schenkt ihr Lebendigkeit. Sein Ton ist immer angenehm, sein Tempo angemessen, seine Betonung absolut genial. So spricht er zum Beispiel Dark Sidious so düster wie es sich gehört, Meister Yoda humorvoll und gerecht und auch General Grievous ist toll interpretiert. Selbst an Padmé hat er gearbeitet. Dass er Obi Wan Kenobi noch mit Abstand am besten spricht, ist keine Frage, denn für diese Figur scheint er ein besonderes Gespür zu haben. Aber auch jeder andere Charakter ist einfach toll dargestellt. 
Hört man das Hörbuch, kennt man im Normalfall die Geschichte. Daher ist es auch nicht stark zu kritisieren, dass Vieles schon schnell vorweggenommen wird. Innerhalb der ersten Szenen ist klar, dass der oberste Kanzler der Sith-Lord ist. Das fand ich etwas schade, nimmt der Handlung aber nicht ihre Spannung. Diese kommt vor allem zum Ende hin. Das Tempo wird noch einmal enorm angezogen und die Spannung steigt. Ich konnte kaum noch aufhören, an die Geschichte zu denken. Denn durch ihre Intensität und auch durch ihre Länge zieht sie den Hörer in eine Art Sog. Man kann der Geschichte nicht entkommen, man ist Teil dieses Universums. Deswegen denkt man auch oft „Nein! Tu das nicht!“, oder auch „Hättest du das jetzt nicht gemacht, hätte alles anders ausgehen können“. Aber natürlich geschieht alles genauso fatal, wie es sein muss, damit das Imperium entstehen kann.
Die Charaktere sind einfach großartig! Allen voran Obi Wan, der neben Anakin die wichtigste Figur ist. Die Beziehung der beiden Freunde wird so wunderbar gezeichnet, so verständlich dargestellt. Man gewinnt ein völlig neues Gefühl für die beiden Charaktere und das habe ich sehr genossen. Außerdem ist der Umgang unter den beiden wirklich humorvoll. Ich musste des Öfteren über Obi Wan schmunzeln und wünschte mir, meine Weltsicht wäre der seinen etwas ähnlicher. Auch die anderen Charaktere gefielen mir gut. Anakin ist ein herzensguter Jedi, doch er handelt nach den falschen Idealen und lässt sich meisterhaft manipulieren. Diese Manipulation wird toll aufgezeigt und man hasst Palpatine nur noch mehr. 
Die Szenen sind gut dargestellt, die Kämpfe rasant und spannend. Alles verläuft sehr authentisch und da sich mit den verschiedensten Figuren aus allen Lagern befasst wird, gewinnt man einen gelungenen Gesamteindruck der Lage und kann die Entwicklung verstehen. Großartig!


Obwohl ich Angst vor diesem Hörbuch und seiner Geschichte hatte, bin ich so froh, sie gehört zu haben! Philipp Moog ist wirklich der beste Sprecher für dieses Buch, den man sich nur wünschen kann. Er überzeugt auf allen Ebenen und bereinigt so auch den etwas unschönen Stil des Autors. Die Charaktere sind so lebendig und authentisch dargestellt, die Handlung ist groß, wird aber enger gezogen und gewinnt an Spannung. Freundschaft, Liebe und Verrat sind wichtige Themen der Geschichte. Nach dem Hören kann ich die Geschichte nun viel besser verstehen und besser einordnen. Nie hätte ich es gedacht, aber das Hörbuch ist absolut gelungen. Nur wegen merkwürdiger Formulierungen und Langatmigkeit muss ich einen halben Punkt abziehen und komme zu 4,5 Spitzenschuhen. Und ich muss sagen, dass ich sehr traurig bin, die ersten drei Episoden abgeschlossen zu haben und keine neuen Jedi-Abenteuer, gelesen von Philipp Moog, mehr hören zu können.



23. Juli 2017

Rezension: "Der Vorleser" von Bernhard Schlink


Titel: Der Vorleser
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
Preis: 10,00€
Seiten: 207

Ich gehöre zu einem Jahrgang, der um den Roman „Der Vorleser“ während seiner Schulzeit herum kam. Bei mir waren Kleist und Ibsen Programm. Nicht aber Bernhard Schlink. Durch mein Studium bin ich allerdings ein großer Klassiker-Fan und kaufte mir das berühmte Buch deswegen für mein Regal. Ich muss zugeben, dass ich nicht den blassesten Schimmer hatte, was das eigentliche Thema des Buches ist. Ich las es einfach ohne große Erwartungen. Und deshalb bin ich im Nachhinein positiv überrascht. Schlinks Stil war für mich zwar nichts Großartiges, seine Geschichte allerdings wirklich besonders. Sie macht eine 180° Wendung und konnte mich so abholen. Ich erkenne viele Gründe, dieses Buch zur berechtigten Schullektüre zu machen.


Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er … und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.


"Es ist dünn. Es klingt ganz nett. Es passt zu einer Challenge." Das waren meine Gedanken, als ich zu „Der Vorleser“ griff. Ich dachte mir, dass ich das Buch schon fix durchhaben würde. Viel mit dem Inhalt anfangen konnte ich allerdings zuerst nicht. Erst auf Seite 76 wird zum ersten Mal vorgelesen. Ich fragte mich also schon, in welche Richtung Schlink seine sonderbare Geschichte wohl wenden würde. Was passiert bis dahin? Ein 15-Jähriger beginnt für eine ältere Frau zu schwärmen, verliebt sich in sie, ja wird in gewisser Weise abhängig. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, teilen jedes Mal das Bett und dennoch bleibt die Beziehung merkwürdig. Mal ganz abgesehen von dem Umstand, einen 15-Järhigen mit einer Mittdreißigerin als Liebespaar zu betrachten. Es beginnt sich ein Ritual zu entwickeln – Michael beginnt Hannah vorzulesen. Eine romantische Vorstellung. Doch von einem Tag auf den anderen verschwindet Hannah und so bricht Michaels halbes Leben zusammen. Er lebt einfach weiter, entwickelt sich weiter und trifft Hannah eines Tages wieder. In einer Gerichtsverhandlung. 
Achtung Spoiler. 
Ich komme um das Thema nicht herum, wenn ich „Der Vorleser“ wirklich beurteilen möchte: Der Nationalsozialismus. Hannah steht vor Gericht, weil sie Aufseherin in einem Außenlager von Auschwitz war. Erst vor ein paar Wochen habe ich das KZ in Polen besucht. Daher berührte mich das Thema sehr. Und Schlink nahm einen absoluten Plottwist vor. Was mit einer sonderbaren Geschichte beginnt, wird zu einer drastischen Nachkriegserzählung. Wie normal muss es in den 50er und 60er Jahren gewesen sein?! Es ist so wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, was mit den Leuten eigentlich geschah, die aktiv während des NS tätig waren! Nur, weil Hitler gestorben ist und die Nationalsozialisten besiegt wurden, änderte nicht jeder Mensch sein Denken. Wie hätte man das auch von einen auf den anderen Tag verarbeiten sollen?
Was Schlink ganz hervorragend schafft, ist die Authentizität, mit der er seine Charaktere ausstattet. Hannah ist eine interessante Figur. Sie ist sehr stolz und eigensinnig. Sie sieht ihre Fehler nicht und versucht dennoch ein gerechter Mensch zu sein. Sie hat ein großes Geheimnis für das sie sich schämt. Michael kommt hinter dieses Geheimnis und ich fand es so berührend, wie sich die Beziehung der beiden dadurch wandelt. Das Buch ist in drei Teile verfasst. Der dritte Teil berührte mich wirklich sehr. Er zeigt deutlich, was Michael für ein guter Kerl ist und dennoch führt er einem vor Augen, wie sehr dieser Junge in seiner Jugend durch die Beziehung gelitten hat. Es ist nicht die interessante Beziehung zwischen Hannah und Michael oder der Storyturn. Es ist auch nicht die Abnormalität des Geschehens oder die authentischen Beschreibungen des Autors. Es ist sein Talent, dieses schwere Thema zu verpacken, was dieses Buch so bemerkenswert macht. Einen besonderen Draht zur Historizität legen. Der Leser wird in einen Sog gezogen und kann sich die Dinge vorstellen, kann Begriffe füllen und Dinge verarbeiten. Ich finde den gewählten Weg wirklich großartig! 
Da ich selbst Geschichte studiert habe, empfinde ich solche Werke als sehr künstlerisch und ziehe meinen Hut vor Schlink für diese Geschichte. Mit einem Zitat sprach er etwas aus, das ich sofort unterschreiben würde. Ja, womit man sogar jede Geschichtsstunde beschreiben kann:
„Geschichte treiben heißt Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und beide Ufer beobachten und an beiden tätig werden.“ (S. 172)

Wie ich schon sagte, es ist die Mischung und das gekonnte auf den Punkt-Bringen, das diese Geschichte zu einem so guten Buch macht. Zwischenzeitlich ist das Buch alles andere als spannend, sondern eher befremdlich. Aber auch das ist sicher gewollt. Vor allem zu Beginn plätschert Vieles vor sich hin und es dauert, bis die Geschichte sich aufbaut. Dennoch finde ich das Konzept gelungen. Man hat es mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte zu tun – von Anfang bis Ende. Das Ende machte mich sehr traurig und obwohl es auch tragisch ist, passt es wirklich gut zur Geschichte. Beide Hauptcharaktere sind keine Helden oder Identfikationspersonen. Man beobachtet sie eher aus der Ferne. Aber das genügt. Man beobachtet genug, um etwas für sich selbst und das eigene Verständnis mitzunehmen. Und genau deswegen wird es auch in der Schule gelesen. Ich freue mich darauf, später Klassen mit Hilfe dieser Geschichte zu unterrichten, auch da sie meine beiden Fächer optimal vereint. Danke, Bernhard Schlink.



„Der Vorleser“ wird nie mein Lieblingsbuch sein und dennoch hat es mich fasziniert und gelehrt. Das große Thema, das hinter der Geschichte steht, ist sehr wichtig und die Betrachtung davon ist hier sehr gelungen. Es ist in ein kleines Thema eingebettet und auch dieses kann überzeugen. Ich spreche in Rätseln? Dann löst das Rätsel und lest das Buch selbst. Ich vergebe vier Spitzenschuhe.



21. Juli 2017

Rezension: "Die vierte Braut" von Julianna Grohe


Titel: Die vierte Braut
Autor: Julianna Grohe
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 14,90€
Seiten: 360

Es gibt Bücher, von denen hört man durchgehend Gutes. Und dadurch steigen die Erwartungen, gleichzeitig wird man aber neugierig auf die Geschichte und schließlich landet das Buch im Regal. So erging es mir bei „Die vierte Braut“, von dem nur geschwärmt wurde. Es ist ein schöner Roman mit einem märchenhaften Thema. Sicher kommt man um den Vergleich zu „Selection“ nicht umhin, aber die Autorin hat eine ganz eigne Geschichte aus einer ähnlichen Idee gemacht – und diese hat mir wirklich gut gefallen! Auch wenn ich die angestrebte Parallele zu Cinderella nicht ganz sehe, ist „Die vierte Braut“ auf jeden Fall ein romantisches und träumerisches Buch, das hält, was es verspricht. Vielleicht nicht so überragend, wie oft geschildert, aber zuckersüß.

Auf Wondringham Castle findet eine riesige Brautschau mit vielen Prüfungen statt. Unzählige junge Damen aus allen Teilen des Landes kommen zum Schloss, um die Gunst eines der vier Prinzen zu erlangen. Aber die junge Gouvernante Mayrin Barnaby, die durch unglückliche Umstände ebenfalls dorthin gerät, will gar keinen Königssohn heiraten, sondern nur schnellstmöglich zurück nach Hause. Dort warten ihre beiden jüngeren Geschwister auf sie, für die sie verantwortlich ist.
Als jedoch der charismatische Hauptmann dafür sorgt, dass Mayrin bleiben kann, beginnt ein aufregendes Abenteuer voller Leidenschaft und Intrigen.


Für mädchenhafte Geschichten oder Adaptionen bin ich immer offen. Deswegen wurde ich auch schon früh auf „Die vierte Braut“ von Julianna Grohe aufmerksam. Aber meine Erwartungen stiegen mit jeder guten Rezension und irgendwann stand das Buch dann eher ohne Leseabsicht im Regal. Durch Zufall fiel es mir wieder in die Hände und ich begann zu lesen. Die Geschichte startet ruhig, nimmt aber schnell an Fahrt und Spannung auf. Insgesamt muss ich sagen, dass ich das Buch als relativ spannend empfunden habe, denn die Autorin hat mich oft überrascht. Anfangs rechnete ich mit einer Geschichte, die leicht voraussehbar sei – aber das änderte sich. Die typische Protagonistin begegnet uns schließlich sofort: unscheinbar, aber auf ihre Art schön, intelligent, mittellos, herzlich, verantwortungsbewusst und mit der Prise vom Besonderen. Natürlich hat sie eine wunderschöne beste Freundin aus gutem Haus und durch diese, Tionne , geschieht das Missverständnis und Mayrin nimmt aus reinem Zufall an der Brautschau teil. Die Konzeption fand ich sehr amüsant, aber auch etwas zu gewollt. Wie ich eingangs erwähnte, musste ich des Öfteren an „Selection“ denken, vor allem zu Beginn. Der einzige offensichtliche Unterschied ist der, dass man um vier, statt nur um einen Prinzen kämpft und die Aufnahme etwas anders abläuft. Das Konzept „Mädchen-aus-Volk-kämpft-um-Gunst-des-Prinzen“ ist hier aber vorzufinden. Und auch hier will die Protagonistin damit eigentlich nichts zu tun haben. Für Mayrin gibt es nichts Wichtigeres als ihre beiden kleinen Geschwister. Diese beiden Figuren sind eine Art Bonus für mich gewesen. Leo und Neela sind einfach zum Knuddeln und ich konnte gut verstehen, dass May die beiden nicht allein zurücklassen wollte. Aber dann taucht ja der gutaussehende Hauptmann auf und sorgt dafür, dass May ihre Geschwister in ihrer Nähe haben kann. Damit wäre dann auch der männliche Protagonist auf den Plan getreten. Ich war durchaus verwirrt. Denn May bemüht sich zwar, kämpft aber eigentlich nicht um die Gunst eines der Prinzen. Ihre Motivation ist Geld. Und daher versucht sie so lange wie möglich im Rennen zu bleiben, um für ihre Geschwister die Zukunft absichern zu können. Diese Motivation mag falsch erscheinen, ist aber doch recht edel. Es gibt also auch einige Werte im Buch zu finden.
Ich mochte May schon, allerdings war sie mir ein zu typischer Charakter. Die sanfte Liebesgeschichte, die zwischen ihr und dem Hauptmann entsteht, ist wirklich süß und romantisch. Aber man bleibt verwirrt – sollte May nicht um einen Prinzen kämpfen?! Es entstehen Missverständnisse, Intrigen, ja aber auch die erwähnte Leidenschaft. Es wird spannend, vor allem zum Ende hin, denn ich wusste wirklich nicht mehr, was ich erwarten konnte. Man kann die Lösung vielleicht erahnen, mit ihren Wendungen haute die Autorin mich allerdings um. Sehr gut! 
Die Liebesgeschichte ist wirklich schön und der Hauptmann ein ehrlicher Typ, der dem Leser schnell gefällt. Die vier Prinzen sind ebenfalls interessante Charaktere, die man nur allmählich zu durchschauen lernt. Tionne ist ein liebes Mädchen, ohne das May wohl nicht so gut klarkommen würde. Und dann wäre da noch die liebe Rose, die mir ebenfalls gut gefiel. Leider verlor ich sehr schnell die Übersicht über die vielen Kandidatinnen, aber die meisten sind auch nicht sehr wichtig. Trotzdem war dieser Umstand schade. Manchmal dümpelt die Geschichte ein bisschen vor sich hin, aber dann kommen tragische Ereignisse und drehen wieder alles. Manchmal ist das etwas sprunghaft, andererseits abwechslungsreich. So gut mir die Geschichte auch gefiel, ein bisschen was fehlte mir doch.
Der Stil von Grohe ist gut und besitzt märchenhafte Elemente, die mit sehr modernen Ansätzen gepaart sind. Das Buch ist sehr viel dicker, als es den Anschein macht. So hat man aber mehr von der Geschichte.




Insgesamt ist „Die vierte Braut“ eine wirklich schöne Geschichte in einem gut ausgearbeiteten Märchensetting. Der Stil von Grohe ist flüssig und angemessen. Die Figuren haben viel zu bieten und die entstehende Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vor allem kann das Buch durch unerwartete Handlungsänderungen überzeugen, was durchgehend für Spannung sorgt. Ich vergebe solide vier Spitzenschuhe für eine überzeugende Geschichte.



20. Juli 2017

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #14

Hallo ihr Lieben!


Wir sind pünktlich! Oh ja, man glaubt es kaum :) Aber Karli und ich haben eine Punktlandung gemacht und dürfen euch heute sein Monatsinterview präsentieren! Wuhu! Er steht bereits in den Startlöchern. Aber bevor es losgeht, noch kurz ein paar Worte von mir.




Ich liebe die Aktion "Mein SuB kommt zu Wort" so sehr und bin der lieben Anna mehr als dankbar für ihr Engagement! Schaut bei ihr vorbei und vielleicht darf euer SuB ja demnächst auch mal ein paar Takte sagen. Meinen habe ich liebevoll Karli genannt, da ich ein Anhänger von Namen bin. Meine Beziehung zu Karli war in den letzten Monaten relativ durchwachsen, aber im Moment bin ich glaube ich langsam auf dem Weg der Besserung, was eine gute Hausherrin betrifft. 
Was meinst du, Karli? Wie mache ich mich im Moment? Bist du noch sauer? 
Lass uns starten!



1. Karli, wie groß bist du aktuell?


Ein herzliches Hallo von mir! Ich grüße euch :) Es freut mich, dass ihr an meinem Lieblingstag im Monat wieder zu uns gefunden habt: Mein Interview steht an! Juhu! Wenn ich es könnte, würde ich jetzt in die Luft hüpfen. Aber dann wäre Julias Regalordnung völlig hin und ich will mir nicht wieder Ärger mit ihr einhandeln. Denn, wie sie schon angedeutet hat, läuft es im Moment ganz gut zwischen uns. Endlich wieder! Es gab harte Phasen, oh ja! Und ich habe zwischendurch sogar über einen Bruch nachgedacht. Aber das brachte ich dann doch nicht übers Herz. Und siehe da: Kaum hat man düstere Gedanken, bemüht sich meine schusselige Besitzerin wieder etwas mehr um mich ;) So ist's richtig!
Nachdem ich mich ja schon letzten Monat gefreut habe, von 124 Büchern auf 120 geschrumpft zu sein, habe ich in diesem Monat erneut einen Fortschritt gemacht. Zwar kauft Julia im Moment weniger Bücher, aber Zuwachs habe ich trotzdem immer. Deswegen bin ich stolz auf sie, dass sie trotz Zuwachs meine Zahl auf 117 Bücher verringern konnte! Ihr müsst euch gekreischtes Gejubel an diese Stelle vorstellen. Meine Freude lässt sich über den Bildschirm nur schwer transportieren. Aber sie ist echt! Und ich hoffe, dass Julia in diesem Monat noch einen draufsetzt und mich auf mindestens 115 Bücher bringt. Nächsten Monat möchte ich nämlich wieder von meinen Fortschritten berichten können :) Weiter so! Ich weiß schließlich auch, dass man zum richtigen Zeitpunkt durchaus Anfeuerungen aussprechen darf ;)



2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.


Habe ich von meinem Stolz berichtet? Wenn nicht, dann muss ich es an dieser Stelle noch einmal. Wenn doch, dann lasst ihn mich einfach noch einmal kurz anführen. Denn, Trommelwirbel! Julia musste grade wirklich nachdenken, welche drei Bücher denn seit letztem Monat überhaupt neu sind. HA! Wer hätte das gedacht...dass es mal so weit kommen würde. Hach...



Nun gut, ich zeige euch meine drei neusten Schätze sehr gern. Eines der drei Bücher ist sogar nur ein E-Short, das es kostenslos zu haben gab. Bei sowas ist Julia ja immer schnell dabei und daher lud sie "Schicksalsbringer - Fortunas Vermächtnis" ganz fix auf den Reader. Sie hat selbstverständlich die dazugehörige Reihe noch nicht einemal genauer betrachtet, aber das E-Short sah hübsch aus und klang interessant. Tja, so sind wohl die Frauen. Ich erspare mir weitere Kommentare.
Dann wäre da noch ein Spontankauf. Den ersten Teil der "Eden Academny" wollte Julia tatsächlich schon sehr lange haben. Aber es war jetzt auch keines der Bücher, die man super schnell besitzen muss - eher so eine ferne Traumvorstellung. Jedenfalls war Julia in ihrem kleinen Örtchen einen Bummelspaziergang machen und landete in der örtlichen Buchhandlung. Irgendwie war sie in Kauflaune, fand dieses schöne Taschenbuch und nahm es kurzerhand mit...So ist das eben.
Und zu guter Letzt wäre da noch das Hörbuch zum Film "Star Wars Episode III - Die Rache der Sith". Julia hört es gerade während sie puzzelt. Bei einem 6000-Teile Puzzle kann man eben auch eine geraume Zeit zuhören. Das Hörbuch geht 15 Stunden und aktuell ist Julia bei etwas mehr als der Hälfte. Wenn ich das sagen darf, dann hat Julia sich wirklich überwinden müssen, bei diesen CDs auf Play zu drücken. Sie liebt Star Wars. Wir sind beide riesige Fans der Reihe! Aber immer, wenn Teil drei läuft, muss Julia ganz bitter weinen, weil alles so traurig und böse ist. Sie hat den Film wirklich noch nie gesehen, ohne zu weinen. Wie man weiß, geht er keine 3 Stunden. Die Konsequenz, sich das 15-stündige Hörbuch anhören zu wollen, wenn man doch schon in den drei Stunden leidet, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Aber gut. Ich muss ja nicht in ihren Kopf gucken.
Übrigens gab es noch zwei weitere Neuzugänge, die aber beide schon wieder ausgezogen sind: "Solo für Sophie" und "Schreiben nach Auschwitz" wollte ich trotzdem mal nennen ;)



3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Auch wenn ich weiß, dass es regelmäßigen Lesern dieses Blogs bereits zu den Ohren raushängt, möchte ich es trotzdem einmal kurz erwähnen. Schließlich gibt es ein paar Menschen, die nicht jeden Beitrag lesen :D Ich bin nämlich ein bisschen stolz auf Julia. Sie hat im letzten Monat ihre Masterarbeit abgegeben und ist jetzt sogut wie fertig mit der Uni. Das ist nicht nur für sie ein beunruhigender Gedanke. Denn wenn sie im nächsten Jahr fast schon eine richtige Lehrerin sein wird, wird mein Abbau sicher ein wenig ins Wanken kommen. ABER, bis dahin ziehen noch ein paar Tage ins Land - und von denen profitiere ich. Auch im Moment schon. Julia liest derzeit nämlich ziemlich viel. Einfach aus dem Grund, weil sie wenig anderes und wichtiges zu tun hat! Das wird sich spätestens in zwei Wochen wieder ändern, wenn Julia wieder Training geben muss (schließlich sind ja auch noch Sommerferien), aber bis dahin schafft sie schon einiges. Und deswegen verlassen mich grade alle paar Tage Bücher. Was für ein Wahnsinnsgefühl!




Gestern hat mich gerade erst "Der Vorleser" verlassen. Das war ein Spontan-Lesen. Das Buch passte in eine Challenge, ist nicht allzu dick, also los. Aber es hat Julia wirklich überraschen können - mehr als einmal. Auch weil sie so gar keine Ahnung hatte, worum es in dem Buch eigentlich geht. Aber es gefiel ihr! Die Rezension ist noch nicht getiptt, wird aber in den nächsten Tagen noch kommen. Das Buch ruhte übrigens auch so um die sechs Monate bei mir...also schon ein kleiner Senior ;)




4. Lieber Karli, vor einem Jahr fragte ich nach deinen drei ältesten SuB-Leichen: Sind sie immer noch ungelesen oder haben sie es mittlerweile in die Reihe der Gelesenen geschafft?


Oh, das ist mir jetzt wirklich überaus peinlich. Julia und ich fanden diese Frage super spannend und wir zählen auch tatsächlich zu denjenigen, die vor einem Jahr schon mit dabei waren. Also haben wir uns schnell hingesetzt und zum Beitrag aus dem Juli 2016 gescrollt. Also ich persönlich konnte mich an die Frage natürlich noch erinnern. Schließlich ist mein Gedächtnis dem eines Elefanten gleich. Julia hingegen wusste gar nichts mehr davon. Tja...umso schlimmer, was für ein Ergebnis uns erwartete. Die drei genannten "Senioren", wie ich sie lieber nennen möchte ("Leichen" klingt doch irgendwie abwertend, oder nicht?") sind tatsächlich noch alle drei bei mir beheimatet. SCHANDE AUF DEIN HAUPT, JULIA! Sie versteckt sich gerade in einer Ecke des Zimmers - absolut zurecht, wenn ihr mich fragt! Das ist doch wirklich überaus beschämend, dass noch keines der drei Bücher innerhalb eines Jahres gelesen wurde. Ach mann...Das muss sich bessern, du gemeine Besitzerin!
Von welchen drei Senioren rede ich aber denn?
Tja, das erste kann man sich sicher schon denken. Des Öfteren muss ich dieses Buch nennen, wenn es um Vertreter geht, die schon lange bei mir zu Hause sind: Anna Karenina von Lew Tolstoi. Noch schlimmer ist, dass Julia einen lieben Kommentar auf unsere Interview von damals bekam, in dem ihr das Buch wärmstens ans Herz gelegt wurde. Ich gebe ja zu, dass ich auch Respekt vor diesem Werk habe, aber so langsam sollte es gelesen werden. Das war jetzt wohl mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl...
Naja und auch Nummer zwei und drei sind geblieben: Die Eismalerin und Es soll Liebe sein. Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann hat Julia beide Bücher nicht einmal bisher in die engere Auswahl gepackt. Auch das ist kein gutes Verhalten, meine Liebe! Du solltest dringend an deinem SuB-Abbau-Verhalten arbeiten und auch mal ältere Bücher miteinbeziehen :P Beide Bücher sind wohl etwas unauffällig...wer weiß. Ich hoffe, dass wenn mir diese Frage in einem Jahr wieder gestellt werden sollte, ich sie anders beantworten kann.

Ach ja...und das war es jetzt schon wieder von mir! Es hat mir heute wieder wirklich sehr viel Spaß gemacht! Im Moment ist einfach alles in geregelten Bahnen und ich hoffe, dass ich mir dieses Hochgefühlt noch ein bisschen erhalten darf. :) Drückt mir die Daumen, dass Julia in ihrer Freizeit weiterhin viel an mich denkt und meine Größe ein wenig herabsetzt ;)
Ich freue mich schon auf den nächsten Monat, wenn ich euch wieder mit ein paar verlorenen Kilos/ Büchern überzeugen darf!
Bis dahin,

euer Karli


Auch ich hatte diesen Monat sehr viel Spaß an diesem Post! Bei so süßen Worten kann ich ja gar nicht anders, als ganz viel an meinen großen, aber süßen Karli zu denken. Vielleicht sollte ich mir aber mal seine Tipps zu Herzen nehmen und endlich Anna Karenina von seinem Stapel erlösen. Was meint ihr? ;)

Was hatten eure SuBs so zu sagen? 


Eure Julia