14. Juli 2017

Rezension: "Solo für Sophie" von Claudius Morgen


Titel: Solo für Sophie
Autor: Claudius Morgen
Verlag: Edition Blaes
Preis: 9,90€
Seiten: 288

Meine Eltern empfanden es als wichtig, dass ich als Kind ein Instrument lernte. Wie bei so ziemlich jedem fiel die Wahl auf Blockflöte. Später spielte ich viele Jahre lang Querflöte und wurde so an klassische Musik herangeführt. Meine wahre Liebe gehört heute aber dem Klavier und der Violine. Klassische Musik beruhigt mich und lässt mich träumen. Daher wurde ich beim Erblicken des Covers von Claudius Morgens neuem Roman „Solo für Sophie“ sofort aufmerksam. Man betrachtet eine Pianistin von hinten, die auf Leinwand festgehalten wurde. Das Bild vermittelt einen unschuldigen Eindruck und steht daher anfangs konträr zum Klappentext, der von einer schwarzen Liebesgeschichte mit Stalking-Anteilen spricht. Tatsächlich hat der Autor hier einen bemerkenswerten Genre-Mix geschaffen, der sehr interessant zu verfolgen ist. Es gibt viele Charaktere, auf dessen Spuren man sich befindet und die einen in ihren Bann ziehen. Bei „Solo für Sophie“ erwartet den Leser eine ganz andere und ungewöhnliche Geschichte, als jede, die man tausendfach im Buchladen findet. Dieses Buch ist einen weiteren Blick wert und unterhält mit seiner ganz eigenen Komik! Interessant und lesenswert.

Klappentext


Der Student Sebastian liebt klassische Musik und die französische Star-Pianistin Sophie Bonnard. Allerdings weiß sie nicht von seiner Existenz. Wie kann er ihr näherkommen? Einfach für ein Exklusivkonzert buchen, meint ein alter Herr, der sich ihm als Mentor anbietet. Gutgehen kann das nicht, zumal der Alte eine rätselhafte eigene Agenda verfolgt. Und dann ist da ja auch noch Laura. Sie ist ebenfalls heimlich in jemanden verliebt. Dass es sich dabei ausgerechnet um ihren Kommilitonen Sebastian handelt, ist in höchstem Maße unpraktisch. Auch ihr steht eine Mentorin zur Seite. Aber eine echte Hilfe ist die nicht.


Meinung


Das Konzept des Romans ist ungewöhnlich. Dieses Wort kann man aber auf vieles aus dem Buch übertragen. Ob das nun der Stil, der Aufbau oder die Charaktere sind – mit Mainstream hat man es hier auf keinen Fall zu tun.
Beginnen wir mal mit dem Stil. Claudius Morgen schreibt ein wenig eigen, was eine tolle Abwechslung ist. Der Stil ist reif und weist manchmal eher selten benutze Worte auf. Trotzdem kann man auch mal stolpern, was wohl eher gewollt ist. Insgesamt passt er ganz wunderbar ins Konzept von „Solo für Sophie“. Das Buch wird aus der Perspektive verschiedener Figuren erzählt. Der Protagonist ist ganz klar der Student Sebastian, der in seinen Träumen mit der Pianistin Sophie Bonnard vereint ist. Doch irgendwann wird ihm klar, dass es eher ein Verliebtsein in eine Vorstellung, als in eine reale Person ist. Doch zu diesem Zeitpunkt hat die Geschichte längst ihren Lauf genommen und nimmt kuriose Wendungen. Aber nochmal zurück. Sebastian ist ein scheuer Kerl, dessen wahre Liebe der klassischen Musik gilt. Er ist ein interessanter Charakter, der sicher nicht allzu häufig in der Realität antreffbar ist. Allerdings ist er mit seiner schüchternen Art sehr sympathisch und schnell ist klar, dass der „Bubi“ noch nicht das im Leben tut, was ihn glücklich machen würde. Denn er studiert Jura. Eine seiner Kommilitonen ist Laura, ein ebenfalls eher scheues Wesen. Die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Figuren werden schnell deutlich.  Aber da Sebastian in Sophie verliebt ist, hat Laura keine Chance, woran sie fast verzweifelt. Laura war mein Lieblingscharakter, weil sie doch sehr real gestaltet ist. Man kann ihr Denken nachvollziehen und ergreift schnell Partei für sie. Weitere Figuren sind die beiden erwähnten Mentoren. Kate und Otto Falter. Erstere ist quirlig und ich konnte sie absolut nicht leiden. Zweitgenannter ist eine Schlüsselfigur, die man nur in Ansätzen durchschaut. Falter sorgt für den Biss in der Geschichte und ist es auch, der die überraschenden Wendungen produziert. Außerdem wären da noch sein Angestellter Mehmet, ein Manager namens Sebastian und natürlich die Titelheldin Sophie. Man sollte sich von ihr als Figur nicht zu viel versprechen. Sie ist von Anfang an eine Art Ikone, die erhöht dargestellt, aber nie wirklich greifbar wird. Das ändert sich zum Ende hin, aber die Rolle der Titelheldin nimmt sie nie ein. Sie existiert in zweifacher Ausführung: in Sebastians Vorstellung und in der Realität. So entsteht eine sehr interessante Mischung! Jede dieser Figuren nimmt Erzählteile ein, was mir gefiel, manchmal aber auch etwas weit gefächert ist. Denn nicht jede Sicht ist gleich interessant. 
Die Handlung an sich ist nicht kompliziert, aber weiß zu überzeugen. Außerdem wird es durchaus sehr wohl spannend. Alles in allem ist es doch eine verdrehte Liebesgeschichte, wie das Leben sie pflegt zu schreiben. Es gibt viele humorvolle Stellen im Buch, manche davon eher der schwarzen Seite zugeneigt. Missverständnisse und Zufälle bestimmen das Geschehen und insgesamt wird dem Leser Abwechslung geboten. Denn in ein einziges Genre könnte ich „Solo für Sophie“ nicht einteilen. Es gibt einen Genre-Mix. Liebesgeschichte, Abenteuerroman und auch ein paar Erotikanteile lassen sich finden. Diese waren mir persönlich zu zahlreich. Ich bin nicht so der Fan von eingebauten Erotikszenen und ich denke, dass das Buch auch wunderbar ohne die Sexgeschichten ausgekommen wäre. Aber das mag jeder sehen, wie er will.
Ein wichtiges Thema ist noch die Musik, die natürlich eine große Rolle spielt. Sie bleibt ein zentrales Thema, wenn auch eher hintergründig. Mir gefiel die Liebe, die zwischen den Zeilen doch deutlich wird und man kann auch durchaus etwas lernen – vor allem über Brahms.

Fazit




Insgesamt hat mir „Solo für Sophie“ viel Spaß beschert, da es ein Buch ist, das für Abwechslung im Lesealltag sorgt. Vielfältige Charaktere, ein ungewöhnlicher Schreibstil und eine etwas andere Liebesgeschichte machen das Buch besonders. Man muss sich auf die Handlung einlassen, bekommt dann aber dafür auch humorvolle Stellen und viel Liebe geboten. Sowohl zum Schreiben, zur Musik, als auch zur Geschichte. Manchmal waren mir die Perspektiven ein bisschen zu viel und die Sexszenen zu gehäuft, ansonsten kann ich das Buch aber sehr empfehlen. Vor allem, wenn ihr auf der Suche nach etwas Ungewöhnlichem seid. Ich vergebe 4 von 5 Spitzenschuhen.



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