21. August 2017

Rezension: "Everflame - Feuerprobe" von Josephine Angelini


Titel: Everflame - Feuerprobe
Autor: Josephine Angelini
Verlag: Dressler
Preis: 19,99€
Seiten: 480

Es ist einige Jahre her, dass ich die „Göttlich-Trilogie“ gelesen habe, aber ich habe sie geliebt. Sehr sogar. Und deswegen wollte ich schon lange die „Everflame-Reihe“ von Josephine Angelini lesen. Nach und nach wünschte ich mir die Bücher und hatte letztendlich die gesamte Reihe ungelesen im Regal. Ein Umstand, den ich bereinigen wollte. Also griff ich zum ersten Teil „Everflame – Feuerprobe“. Der Klappentext klang interessant und der Einstieg ins Buch gelang schnell. Doch irgendwie wurde alles immer komplizierter, abstrakter und auch ein bisschen ziellos. Mich konnte das Buch leider nicht fesseln, obwohl es tolle Stellen gibt. Meine Hoffnungen ruhen nun auf Band zwei, denn von „Feuerprobe“ hatte ich mir deutlich mehr erwartet.
Liebe schmerzt. Welten kollidieren. Feuer tötet. Feuerrote Locken, unglücklich verliebt und so ziemlich gegen alles allergisch, was es gibt: Lily Proctor ist 17 und die Außenseiterin an der Highschool von Salem. Lily wünscht sich nichts mehr, als von hier zu verschwinden - und findet sich in einem furchterregenden anderen Salem wieder, in dem mächtige Frauen herrschen. Die stärkste und grausamste dieser »Crucible« ist Lillian - und Lily wie aus dem Gesicht geschnitten. Sind Lilys Allergien und Fieberschübe tatsächlich magische Kräfte und ist sie selbst eine Hexe? In einem Strudel aus gefährlichen Machtkämpfen und innerer Zerrissenheit, begegnet Lily sich selbst - und einer unerwarteten Liebe. Ein mitreißender Pageturner mit starken Gefühlen: schicksalhafte Entscheidungen, Magie, Spannung und Liebe mit einer Heldin zwischen zwei Männern, zwei Welten und zwei Identitäten.
Vom „mitreißenden Pageturner“ der im Klappentext angepriesen wird, würde ich nicht sprechen. Wie ich bereits erwähnte, ist es längere Zeit her, dass ich „Göttlich“ las, aber ich hatte Angelinis Stil als sehr flüssig in Erinnerung. Aber irgendetwas störte mich bei „Everflame“. Der Anfang war noch sehr flüssig, aber dann turnten die Pages immer seltener. 
Wir lernen gleich am Anfang Lily kennen, ein Mädchen, das ganz normale Wünsche und Träume hat und durch ihre Gesundheit nichts davon umsetzen kann. Sie ist stark allergisch und hat immer wieder Fieberschübe. Nur ihr bester Freund und ihre Schwester wissen mit all diesem umzugehen und sind immer für sie da. Dass Lily aber besagten besten Freund liebt, der im  Allgemeinen als Frauenschwarm gilt, ist dabei wenig hilfreich. Als Lily merkt, dass Tristan niemals das Gleiche für sie empfinden wird, will sie ihre Welt einfach nur verlassen. Dass ihr Wunsch aber so schnell erhört wird, kann niemand ahnen. Denn plötzlich befindet Lily sich in einer Parallelwelt. Und viel schlimmer noch: In dieser Welt existiert bereits eine andere Version von ihr. Und diese Lilian ist mächtig und herrscht über das Land – denn sie ist eine Hexe. Kann das die Erklärung für Lilys Krankheitsakte sein? Trägt sie Hexenmagie in sich?
Ich muss sagen, dass ich das Konzept zwar interessant finde, es mich aber nicht vollkommen überzeugt. Parallelwelten und zwei Identitäten finde ich gut. Das ermöglicht viel Spielraum. Aber die Umsetzung ist dann doch etwas chaotisch geworden. Nachdem Lily im anderen Salem gelandet ist, ist sie orientierungslos und der Leser mit ihr. Erst nach und nach erschließt sich die neue Welt, die so vollkommen anders ist als alles bisher Gekannte. Schnell trifft Lily auf Rowan, jemanden, den sie aus ihrer Welt nicht kennt. Ganz im Gegensatz zu Tristan oder Juliette. Rowan ist geheimnisvoll und weckt tiefe Gefühle in ihr. Doch er ist auch Lilians Helfer gewesen und scheint vor Lily Dinge geheim zu halten. Die beiden haben eine tiefe Verbindung, aber irgendwie kommt die so nebenbei. Mich hat die Art zu erzählen gestört. Ich hatte das Gefühl, als wenn wichtige Dinge in einem Absatz abgearbeitet werden und man mit zu wenig Aufmerksamkeit Wichtiges verpasst. Die Entwicklungen zwischen Lily und Rowan sind in einem Kapitel schleichend und schön. Und dann kommen die tiefen Gefühle innerhalb von zwei Sätzen in einem anderen Kapitel. Ich empfand diese Entwicklungen als sprunghaft und konnte nicht immer folgen. Irgendwie verlor Josephine Angelini den Fokus und macht die Geschichte so sehr kompliziert. Und das ist sie ohnehin schon, da der Aufbau der Hexenwelt komplex ist. Die Idee will ich weiterhin loben, denn für mich war alles neu und innovativ. Aber der erste Teil muss sicher als Art Einstieg gehandelt werden, in dem der Grundstein der Geschichte gelegt wird. Dieser Grundstein braucht dann beinahe 500 Seiten…Mir erscheint das zu lang. Für mich gab es keinen richtigen Höhepunkt in der Geschichte. Viele Handlungen scheinen ziellos und die Zeit vergeht einfach. Allerdings sind auch gewisse Geschehnisse sehr spannend, keine Frage. Die Beziehungsentwickelungen sind ebenfalls interessant. Aber vor allem zwischen Rowan und Lily hatte ich mir mehr gewünscht. Hier nahm sich die Autorin zu wenig Zeit – und manchmal eben viel zu viel. Es ist schwer zu beschreiben, aber die Handlung war einfach nicht immer durchdacht, vielleicht weil sie gerade so komplex ist.
Die Figuren gefallen mir im Grunde gut, auch wenn klar ist, dass Lily noch eine große Entwicklung durchmachen wird. Rowan ist ein toller Typ, von dem man hoffentlich noch mehr erfahren wird. Auch Tristan und Caleb sind liebenswert. Und Lilian, die große Hexe von Salem, ist Lily sicher sehr viel ähnlicher, als es anfangs den Anschein macht. Kein Wunder, wenn es eigentlich nur zwei Versionen der gleichen Person sind. 
Der Stil gefiel mir nicht so gut, wie ich schon sagte. Auch fand ich es störend, dass die Kapitel immer gute 40 Seiten lang sind. Ich fand kaum ins Buch und mich konnte das neue Salem auch nicht fesseln. Wie gesagt, ein Pageturner war es für mich nicht.
Die Handlung ist durchaus gut und hat seine spannenden Momente. Mir fehlte aber die Zielausrichtung, der Fokus. Vieles war schwammig und wenig verständlich. Manche Abfolgen konnte ich einfach nicht nachvollziehen, auch wenn diese vielleicht Sinn ergeben haben. Die Handlung hat viel Potenzial, aber im ersten Teil wurde das nicht ausgeschöpft. Vielleicht soll man auch manches einfach noch nicht verstehen. Mich schreckt das allerdings eher ab, als dann ich weiterlesen will.


Ich hatte mir von „Everflame – Feuerprobe“ deutlich mehr erwartet. Das Thema der Hexen ist gut ausgearbeitet, aber manchmal sehr verwirrend umgesetzt. Für mich artete Vieles in Chaos aus und ich konnte der eigentlich guten und auch spannenden Handlung nicht folgen. Die Charaktere sind gelungen, auch wenn Vieles unklar bleibt. Auf jeden Fall hat die Geschichte noch viel Luft nach oben, die hoffentlich in Band zwei dünner wird. Ich vergebe für eine gute Idee und eine schwankende Umsetzung drei von fünf Spitzenschuhen.



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