3. August 2017

Rezension: "Promise - Die Bärentöterin" von Maya Shepherd


Titel: Promis - Die Bärentöterin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 297

Maya Shepherd ist ein Name, den ich erst durchs Bloggen kennenlernte. Eine sympathische Bloggerin, aber auch eine gute Autorin. Als der erste Teil ihrer „Promise“-Reihe kostenlos zu haben war, lud ich mir sofort „Die Bärentöterin“ herunter und begann kurz darauf die Dystopie zu lesen. Bis zur Hälfte des Buches war ich wirklich enttäuscht - von der Protagonistin, der Handlung, dem Stil. Aber mit der Zeit wurde die Geschichte spannender. Der Spannungsbogen wird nur langsam, aber in einer steigenden Gerade aufgebaut, so dass ich am Ende gar nicht merkte, dass mich die Geschichte doch interessierte. Erst als ich durch war, fiel mir auf, dass ich wirklich wissen will, wie es weiter geht. „Die Bärentöterin“ ist ein Buch mit Schwächen, aber dennoch hat die Autorin etwas richtig gemacht. Denn so unbeeindruckt wie anfangs, bin ich keinesfalls mehr!

Weit mehr als die Hälfte der Menschheit starb an einer unbekannten Seuche. Jegliche Strom-, Wasser- und Nahrungsversorgung ist zerstört. Es gibt weder eine Regierung noch Gesetze oder Regeln. Die Städte liegen in Trümmern und Gangs beherrschen die Straßen.
Das ist die Welt, in der Nea lebt. Nach dem Tod ihres besten Freundes und großer Liebe Miro begibt sie sich auf die Reise nach Promise, wo ein normales Leben möglich sein soll. Vor ihr liegt ein weiter Weg voller Gefahren und Zweifel. Zudem lastet auf ihrem Herzen eine schwere Schuld.

Ich muss sagen, dass ich anfangs am meisten mit dem Stil kämpfen musste. Ich hatte bereits vorher etwas von Shepherd gelesen und hatte den Stil als flüssig in Erinnerung. Der Prolog ist schön formuliert und führt in die Geschichte ein. Als ich dann aber mit Nea, der Protagonistin, in Kontakt kam, bekam ich Schwierigkeiten. Nea war für mich absolut nicht greifbar. Ich konnte ihre Empfindungen nicht nachvollziehen, nicht verstehen, was sie vorhat und was sie dazu treibt. Natürlich ist Letzteres auch ein gewisses stilistisches Mittel. In jedem Kapitel kommt ein Flashback vor, der kursiv gedruckt ist. So erfährt man nach und nach mehr über Neas Vorgeschichte. Man erfährt, dass ein Junge namens Miro wohl der wichtigste Mensch in ihrem Leben war und dass er tot sein muss. Wie lange das her ist, bleibt unklar. Es werden Momentaufnahmen geschildert, an die Nea immer aus der aktuellen Situation heraus erinnert wird. Diese Flashbacks gefielen mir und waren keinesfalls Grund für meine Probleme mit dem Stil. Er ist einfach etwas ungeschliffen. Zwei, drei Rechtschreibfehler haben sich ins Buch geschlichen. Ich überlese diese natürlich, vor allem bei Selfpublishern, aber erwähnen möchte ich sie trotzdem. Störend war für mich eher diese neutrale Art, in der erzählt wird. Irritierend ist auch die „Sie-Perspektive“. Denn eigentlich ist die Geschichte wie gemacht für einen Ich-Erzähler und ich hatte auch das Gefühl, als wenn der auktoriale Erzähler sich lediglich auf Nea bezieht, was die begrenzte Sicht irgendwie unnötig machte. Für mich wäre mit ihr als Ich-Erzählerin mehr Authentizität in den Stil geflossen. So stolperte ich manchmal. Auch passte mir die ein oder andere Formulierung nicht. Aber all das nahm im Laufe des Buches ab, trug aber dazu bei, dass ich die Geschichte auf dem ersten Drittel wirklich nicht gut fand. Andauernd änderte sich der Fokus, neue Leute kamen und gingen und alles war so ziellos. Das änderte sich.
Für mich hat Maya Shepherd gerade noch den Bogen bekommen. Denn die Geschichte steigert sich unbemerkt sehr stark! Während Nea anfangs nicht genau weiß, wie sie nach Promise kommen soll, währenddessen auf zwielichtige Gestalten trifft und letztendlich bei den Carris landet, kommt im zweiten Teil ein viel deutlicherer Fokus heraus. Die Flashbacks werden klarer und tragen größere Teile zur Geschichte bei. Man bekommt langsam ein Gefühl für die Figuren, auch wenn Nea mir jederzeit unsympathisch war. Der Hund, der sie zwischenzetlich begleitet, war mein persönlicher Held. Auch die Zwillinge waren tolle Figuren und mit ihnen wandelte sich dann auch die Geschichte. Letztendlich ist es aber Kasia, die für den absoluten Turn sorgt und auch länger an Neas Seite bleibt. Hinzu kommt der schweigsame Arras – ein Kämpfer, der mehr mit Nea gemeinsam hat, als sie gedacht hätte. Das zarte Pflänzchen zwischen den beiden gefiel mir sehr gut. Und die nervige Kasia ist auch ein gelungener Charakter, der ungewöhnlich ist, sich aber gut in die Geschichte fügt. 
Der Weltentwurf von „Promise“ ist für mich ein wenig unausgereift, aber durchaus innovativ. Ich denke, dass in den Folgeteilen noch mehr Details dieser Welt herauskommen, was ich begrüßen würde. So macht die Situation zwar Sinn, der Leser wird aber über Vieles im Dunkeln gelassen. Die Carris sind ein Völkchen, über das man gern mehr wissen will. Vor allem am Ende. Die große Überraschung, die den Cliffhänger einläutet, überraschte mich nicht wirklich. Ich rechnete beinahe damit, fand es aber nicht ganz logisch. Das ändert aber nichts daran, dass der Cliffhänger wirklich fies gesetzt ist. Natürlich muss man jetzt weiterlesen. Selbst, wenn man die Geschichte bis dahin vielleicht gar nicht so toll fand.


Ich war die erste Hälfte des Buches überzeugt, mich durch die Geschichte quälen zu müssen. Die Protagonistin empfand ich als unsympathisch, die Handlung als sprunghaft und ziellos. Aber mit der Hälfte des Buches steigert sich alles. Die Charaktere werden beständiger, die zwischenmenschlichen Handlungen sehr viel interessanter und die Geschichte findet ihren Fokus. Der Stil war nicht ideal, zum Ende hin kam ich aber hinein. Am Ende hätte ich nicht gedacht, dass Maya Shepherd mich doch so mitreißen kann, denn ich überlege bereits fieberhaft, wo ich den nächsten Teil herbekomme. Es ist ein seltsames Phänomen, dass ich eine Reihe unbedingt weiterlesen will, die ich anfangs so schwach fand. Aber die Spannungselemente sind eben richtig gesetzt und an die Nebenfiguren kann man sein Herz verlieren. Der Cliffhänger sorgt dann für den Rest. Ich vergebe 3,5 Spitzenschuhe, die aufgrund des schwachen Anfangs zu Stande kommen. Ich hoffe sehr, dass der zweite Teil keine Anfangsprobleme aufweist und ich mich sofort in dieser Geschichte verlieren kann.



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